Abendzeitung vom 19. Juli 2022: AZ-Hochhausdebatte, Video online verfügbar

AZ-Hochhausdebatte zum Nachschauen: Wie hoch darf in München zukünftig gebaut werden?

Die Diskussion darüber, wie hoch in München in Zukunft gebaut werden darf, ist erneut entbrannt. Die kontroverse und lebhafte Debatte können Sie sich hier im Video anschauen.

Die Debatte auf dem Podium war lebhaft. Mit dabei: Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne), der neue München-SPD-Chef Christian Köning, Robert Brannekämper (CSU), der die Hochhäuser per Bürgerbegehren verhindern will und der Architekt Fabian Ochs, der im Werksviertel selbst Hochhäuser baut.

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5 Kommentare

  1. Willkommen im Schattenreich (danke, Elke Wendrich!)

    Freunde von mir bemängelten, dass der Flyer beim Schattenbild manipulativ den schlechtestmöglichen Fall darstelle: den Tag der längsten Schatten. Sie hätten es für fair gehalten, den Mittelwert zu zeigen, d.h. den 21.3./21.9.

    Ich sage: die Schattensimulation ist nicht manipulativ. Sie zeigt, welche Gebäude im Winter verschattet werden. Im Winter, wenn man sich über wärmende Sonnenstrahlen freut. Würden wir wie gewünscht die Frühlings-/Herbstschatten zeigen, hätten wir die nun doch tatsächlich vorhandene Winterverschattung wegmanipuliert. So sehe ich das.

    Herzog/de Meuron: „Der Schatten eines Hochhauses ist größer, wandert aber schneller.“ Eine solche Aussage insinuiert, dass Schatten der hohen Häuser schneller vorübergehen als solche von niedrigen Häusern. Das ist physikalisch falsch. Jedes Gebäude, das im Schattenbereich steht, wird immer die gleiche Zeit lang beschattet, egal, ob es sich weit oder nahe hinter dem Schattenwerfer befindet. Von „schnellen Wandern“ kann also keine Rede sein: die langen Schatten legen bloß längere Wege zurück, deswegen kommt einem das als „schneller“ vor. Die Winkelgeschwindigkeit, auf die es allein ankommt und die Zeitdauer bestimmt, ist überall gleich, weil sie von der Bewegung der Sonne vorgegeben ist (für die, die näher an Mathe sind: die Winkelgeschwindigkeit ist der Treiber und Bestimmer, nicht die Umfangsgeschwindigkeit).

    Kleines Beispiel: die Sonnenuhr. Mache ich ihren Stab länger, würde dieser, sofern sein Schatten schneller wandern würde, eine andere Uhrzeit anzeigen als dieselbe Sonnenuhr mit kürzerem Stab, bräuchte folglich eine andere Skala. Sonnenuhren haben aber immer dieselbe Skala (Stundenwinkelung), müssen nur – je nach ihrer relativen Lage zur Süd-Richtung – individuell platziert werden.

    Fabian Ochs: „Verschattung macht die Wohnung nicht dunkler“. Physikalisch falsch: Lassen Sie bei Sonnenschein im Zimmer den Rollo herunter, dann wird es im Zimmer dunkler. Ob aber jetzt der Rolladen den Schatten erzeugt oder ein Hochhaus, ist völlig egal (der Hochhausschatten macht nicht ganz so dunkel wie der Rolladen, weil es bei ersterem noch Streulicht wegen Reflexionen der Umgebung gibt, aber: er macht dunkler).

    Derselbe: Angesichts der Erderwärmung sei „Schatten doch gar nicht so schlecht“ ist blanker Zynismus.

    Fazit: Schattenwurf nur ein kleines Detail in unserer Debatte? Ja, aber: Auch wer auch immer hier Fake erzählt, trägt zur Verharmlosung bei, die von unüberlegten Zeitgenossen dann auch mal auf das größere Ganze verallgemeinert wird. Das ist wohl der Zweck.

  2. Ja, die Podiumsdiskussion der AZ war trostlos, der einzige, der gut und fundiert argumentierte, war R. Brannenkämper. Hier in unserem Stadtteil sind sehr viele Menschen gegen die 2 Hochhäuser an der Paketposthalle, und der Investor hat ja Fakten geschaffen, oder man/frau kann auch sagen: Die Stadt hat sich über den Tisch ziehen lassen. Gegenüber der Paketposthalle ist eine große Siedlung der GEWOFAG, wo bekanntlich Menschen mit wenig EInkommen leben, die würde dann nur noch im Schatten liegen. Der Verkehrsstau in der Arnulfstraße ist jetzt schon groß, wäre dann unerträglich usw. usf. Ich finde, alle wichtigen ökologischen und sozialen Argumente sprechen gegen die Hochhäuser, und werde mich weiter beim Unterschriftensammeln beteiligen.

  3. Man setzte am 19.07. auf den Wow Effekt. Mitglieder der HochhausStop Aktion sind mit dem Vorwand, hier dem Himmel ein Stück näher zu sein, ins höchste Hotel Münchens (für mich mit zynischen Anklängen) zur Podiumsdiskussion mit Hochhausbefürwortern eingeladen.
    Robert Brannekämper, ein Mitglied des Bayerischen Landtages, fand sich in der Reihe der HHbefürworter als einziger kompetenter Streiter gegen das Projekt an der Paketposthalle unbeirrbar und ausnehmend gut zurecht. Seine fundierten Beiträge wurden mit tatkräftigem Applaus unterstützt. Das Publikum aus den Reihen der HHbefürworter dagegen trat zögerlich, zurückhaltend auf.
    Auch der Architekt F. Ochs konnte sich nicht weiter, trotz einiger Versuche, mit seiner Forderung nach mehr Hochhausbau in München, vor allem an den Stadträndern, hervortun. Beim “Hilferuf” K. Habenschadens an ihn, ihr in ihrer Ahnungslosigkeit beizustehen, musste er lapidar passen.
    Die von ihm angedachte möglicherweise Verdopplung der Münchner Bevölkerung, durch massive Verdichtung, was immer einen gewaltigen Einschnitt in die Natur an den Stadträndern nach sich zieht, ist ungeheuerlich und mit wessen Interessen verbunden?
    München hat eine einmalige Stadtsilhouette, ist eingebettet in die Alpenkette, angewiesen auf Durchlüftung durch ebendiese, kann mit keiner anderen Stadt verglichen werden und doch wird dies vehement versucht.
    Wer Hochhäuser liebt, sollte sich eine Gegend suchen, in der seine Ideen willkommen sind.
    Ansonsten empfehle ich das Buch “Architekten” ein Metier baut ab.

  4. 18.7.22: Brannekämper brilliert, übriges Podium trostlos: Ochs erfindet Zahlen und Gebäude, Habenschaden gibt zu, keine Ahnung zu haben, Köning findet alles spannend und mag Brannekämper nicht, weil der in der CSU ist, Moderatoren lahmen.
    Und die AZ tritt am 20.7.22 nach: Brannekämper “sammle gerade Unterschriften”, vergisst aber – journalistische Pflicht – zu berichten, dass er Vorsitzender unseres e.V. ist, sondern wird zweimal nur als “CSUler” tituliert. Und trotz knappen Raums ist es der AZ wichtiger zu vermelden, dass Hochhausgegner in “Revoluzzer-Stimmung” Aufkleber in das “schicke Hotel” klebten. – Das ist die Trostlosigkeit eines Journalismus, der täglich derart billig auf den Strich gehen muss, dass er nicht mal unserem Verein und ihrem Vorsitzenden faire Worte findet.

  5. 2019 erklärten die Architekten von Herzog und de Meuron bei einer Info-Veranstaltung zur Paketposthalle: “Der Schatten eines Hochhauses ist größer, wandert aber schneller.”
    Und nun behauptet Architekt Ochs “Verschattung macht die Wohnungen nicht dunkler”.
    Willkommen im Schattenreich der Investoren. Wir dürfen gespannt sein, wann deren Architekten Nobelpreise verliehen bekommen für ihre physikalischen Theorien!

    Diese Podiumsdiskussion liefert vor allem wieder folgende Information: Halte stets die Hochhausbefürworter in der Mehrheit und suggeriere damit, es gäbe keine andere Lösung.
    Immerhin durfte ein Hochhauskritiker auf das Podium. Und der schlug sich gar nicht schlecht!

    An unseren HochhausSTOP – Infoständen unterschreiben übrigens auch viele Architekten. Sie nehmen Listen mit in ihre Büros und sind erleichtert, dass wir das Hochhausbegehren organisieren. Wir sind Viele.

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