Rathausnachrichten: 3. Februar 2021 – Naturnahes Wohnen an der Fauststraße

76 Wohnungen im Grünen, in der Mitte ein zentraler Platz mit Sitzgelegenheiten und Bäumen:
Diese Pläne für ein neues Wohnquartier am Truderinger Wald hat nun der Planungsausschuss des Stadtrats befürwortet. Auf dem Gelände an der Fauststraße befindet sich derzeit noch eine zunehmend verfallende Freizeitsportanlage, die schon seit Jahren nicht mehr entsprechend genutzt wird. Künftig sollen dort sieben jeweils dreigeschossige Bauten entstehen, unter denen eine Tiefgarage Platz findet.

Das neue Wohngebiet für rund 180 Menschen bleibt an der Oberfläche weitgehend autofrei. An die Neuplanung werden vor allem in puncto Naturschutz hohe Anforderungen gestellt. Denn nördlich und südlich grenzen Bannwaldgebiete an, zudem liegt das Areal in einem Regionalen Grünzug sowie einem Landschaftsschutz- und einem Wasserschutzgebiet. Die meisten heute dort stehenden Bäume sind wertvoll und bleiben erhalten. Der Bannwald wie auch die Gehölze ringsum werden nicht angetastet. Das Gelände soll nach dem Bau der neuen Häuser sogar weniger versiegelt sein als heute. Im Ostteil des Planungsgebietes wird eine Grünverbindung geschaffen, welche durch die Schaffung eines lichten Eichen-Hainbuchen-Waldes den zerschnittenen Wald wieder besser vernetzt. Auf längere Sicht soll innerhalb des Planungsgebietes der vorhandene Fichtenbestand zu einem naturnahen Laubmischwald werden.
Der nun erfolgte Billigungsbeschluss ist ein wichtiger Schritt im weiter laufenden Bebauungsplanverfahren.

Die Öffentlichkeit hatte bereits Gelegenheit, sich zu den Planungen zu äußern – dabei wurden vor allem Sorgen wegen allzu weitgehender Eingriffe in die Natur und wegen der Verkehrsbelastung geäußert. Das neue Quartier wird aber unter so strengen Naturschutzvorgaben geplant, dass der Status als Landschaftsschutzgebiet nicht in Frage steht. In vielen Bereichen wird das vorhandene Grün durch den Bebauungsplan sogar erst rechtlich abgesichert. Lediglich in der Bauphase sind zusätzliche Belastungen unvermeidbar.

Der Verkehr wird sich Prognosen zufolge nur in geringem Maße erhöhen – weniger als bei einer von Anwohner*innen ins Gespräch gebrachten Reaktivierung der 1971 eröffneten Sportanlage zu erwarten wäre. Im Planungsgebiet entstehen zudem anteilig bezahlbare und geförderte Wohnungen.
Optisch sollen die sieben Bauten weitgehend durch Bäume umgeben sein. Auf den Flachdächern werden Terrassen und Gärten angelegt. Von Hecken umgebene Gärten gibt es auch rings um die Erdgeschosse der Häuser, es soll aber ausreichend Platz für öffentliches Grün und einen naturnahen Kinderspielplatz verbleiben.

Insgesamt ist das Planungsgebiet fast 20.000 Quadratmeter groß, bebaut werden aber nur rund 2.400 Quadratmeter. Der Verkehr soll über die Fauststraße abgewickelt werden, dort ist auch die Tiefgaragenzufahrt geplant.

Freiflächenplan Fauststraße (© Planungsreferat LHM)

29 Kommentare

  1. Mit Entsetzen verfolgen wir die Entwicklung zum Bauprojekt in der Fauststraße 90 und die Abgründe die sich dort abzeichnen zu beginnen.

    Vor etwa 10 Jahren haben wir die Neugestaltung der Außenanlage (Terrassen, Abgrenzungen, Bäume, Büsche, …) unserer kleinen Wohnung geplant, beantragt und dann umgebaut. Dabei wurden wir mit dem dafür geltenden Recht und Vorschriften konfrontiert, sprich es wurde so gut wie nichts von unsren Anträgen bewilligt, weil nicht zulässig. Nach den Umbauarbeiten wurde auch rasch akribisch kontrolliert und wir mußten Begründungen und Erklärungen nachreichen.

    Es scheint offensichtlich, daß hier mit unterschiedlichem Maß gemessen wird und für die Allgemeinheit geltende Vorgaben und Verordnungen bei dem Bauprojekt Fausstraße 90 wohl nicht gelten sollen. Wir schließen daraus, daß es hier übergreifende persönliche und monetäre Interessen und Verbindungen gibt, die so etwas unterstützen und ermöglichen. Es wäre an der Zeit, diese Seilschaften und Hintergründe entsprechend zu durchleuchten und aufzuklären sowie bekannt zu machen.

    Nur dadurch kann sichergestellt werden, daß für Alle geltende Regeln und Vorschriften eingehalten werden. Es kann, darf hier keine „Lex Fauststraße 90“ geben, denn dann können wir bald alle Gesetze und Vorschriften in die Tonne treten.
    Wir gehen davon aus, das für Verwaltung und Politik die Gesetze bezüglich Bestechung und Bestechlichkeit gelten! In der Causa Fauststraße müssen 90 Ross und Reiter benannt werden, damit die Wähler wissen wer alles dafür verantwortlich ist.

    Familie P. / Hoferichterweg

  2. im Münchner Merkur vom 26/27 Juni 2021, stellen OB Dieter Reiter und Stadtbaurätin Elisabeth Merk den Stadtentwicklungsplan vor. Damit gibt die Verwaltung vor, wie und wo München weiter wachsen kann:
    Freiräume.
    Grün und Freiräume sind Erholungsorte, dienen Spiel und Sport und bieten Raum für Landwirtschaft oder urban Gardening. Freiräume sind auch wichtige Lebensräume und tragen zu Luftaustausch, Kühlung und einem ausgewogenem Wasserhaushalt, bei.
    Wohnquartiere.
    Bestandsquartiere müssen maßvoll nachverdichtet werden
    Stadtklima.
    “Die Hitze in der Stadt nimmt zu” sagt Dieter Reiter, “das muss ich in Planungen berücksichtigen”. Deshalb setzt die Stadt auf klimaangepasste Landschafts- und Klimaräume Freiräume in der Stadt, aber auch Grünzüge in der Region stellen Luftaustausch und Abkühlung sicher.
    Partnerschaftliche Entwicklung.
    Daher sollen Siedlungs- Freiraum- und Verkehrsplanung mit den Nachbarn abgestimmt werden.
    Wie werden diese Pläne der Stadtentwicklung bei dem Bauvorhaben “Fauststrasse90” eingehalten und umgesetzt?
    Die Umwandlung und die Bebauung im Landschaftsschutzgebiet der Fauststraße 90 werden von Experten und vielen Bürgerinnen und Bürgern abgelehnt, weil rund 80 Wohnungen und über 100 Tiefgaragenplätze in einem Landschafts- und Wasserschutzgebiet entstehen sollen, und so ein Präzedenzfall für Trudering und München geschaffen wird. Auf der, nach Meinung der Stadt, ökologisch wertvollen Grünfläche müssen klimaaktive Bäume gefällt werden und eine dringend benötigte Freizeitanlage weichen.
    Ungehört blieben bei den Kommunalpolitikern und in der Verwaltung auch die Hinweise und Warnungen der “Bürgerinitiative Fauststrasse90”.
    Sind die Wegweiser im Bauvorhaben der Münchner Politik, die weiter oben zitiert werden, nur Kampfansagen in der laufenden Wahlkampagne?
    Jetzt kann bewiesen werden, dass die Politik sich für eine grüne Zukunft und Klimaneutralität in München einsetzt und das Bauvorhaben in einem Landschafts- und Wasserschutzgebiet der Fauststraße 90 stoppt!
    In der Faustrasse 90 kann etwas für die Bürger getan werden, anstatt Bebauung im Landschaft und Wasserschutzgebiet, eine Nutzung der bestehenden Anlage für Vereine und für einfache Sportaktivitäten für Jung und Alt sowie für Sozial- und Umweltprojekte.

  3. Der ungezügelte Flächenfraß wird immer krasser: „Jede Sekunde werden in Deutschland sieben Quadratmeter Boden verbaut, jedes Jahr eine Fläche, fast so groß wie Frankfurt am Main.“
    (Die Zeit vom 28.1.21, Seite 13, passende Artikelüberschrift: „Die letzte Wiese“).

    Der Flächenfraß macht selbst vor Landschaftsschutzgebieten wie der Fauststraße nicht mehr halt. Investoren roden straf- und folgenlos Hecken und stellen schon mal ohne Baugenehmigung Baustellenschilder auf. Über Versiegelung, Straßenbreite, Verkehrsanbindung und unausweichliches Verkehrschaos wird schamlos gelogen oder geschwiegen bis sich die Bäume biegen, die dann abgeholzt werden, damit Bagger ungehindert wertvollstes Landschafts- und Wasserschutzbiotop platt machen.

    Verkehrschaos? Ja klar, ca. 50% mehr Wohneinheiten als aktuell in der Fauststraße sind ca. 50% noch mehr Verkehr, was denn sonst! 100 Stellplätze in der Tiefgarage sind sogar deutlich mehr Parkplätze, als die aktuell vorhandenen Parkplätze in der engen Fauststraße – und hier muss alternierend dem jeweiligen Gegenverkehr in engen Lücken auf den umliegenden schmalen Straßen permanent ausgewichen werden! Vorliegende Anträge auf Verkehrsgutachten werden geschreddert, zack – so einfach ist Realitätsverweigerung!

    Bürgerbeteiligung, Faktencheck und Einhaltung verfahrensrechtlicher Vorschriften?

    Da grinsen die Stadträte morgens in ihren Spiegel statt zu kotzen – findet ja nicht vor Ihrer Haustür statt.
    Nun soll endlich gebuddelt & das Biotop darf platt gemacht werden.

    Gibt es den BUND eigentlich noch?
    Noch dringender werden sie jedenfalls nicht mehr gebraucht…

    1. zur Ehrenrettung des BUND – der im übrigen größtenteils aus Ehrenamtlichen besteht im Gegensatz z.B. zum Heer der städtischen Angestellten in Planungsreferat…

      Weiden: ein Erfolg für Natur und Klima! – mit Beteiligung des BUND

      Der Bürgerentscheid in Weiden an der Oberpfalz ging positiv für den Wald aus!!! – 500.000 Bäume hätten nach einer Schätzung des Aktionsbündnisses für das Gewerbegebiet gefällt werden müssen:

      https://www.otv.de/weiden-buerger-entscheiden-gegen-west-iv-477162/

      “Beim Bürgerentscheid zum geplanten Gewerbegebiet West IV in Weiden haben sich die Weidener gestern eindeutig für den Wald entschieden. Mit großer Mehrheit haben die Bürger damit die Planungen der Stadt für ein über 70 Hektar großes Industrie- und Gewerbegebiet gestoppt. Bei einer enormen Wahlbeteiligung von 52,7 Prozent.

      ..Bezogen auf die gültigen Stimmen eine satte Mehrheit von 65 zu 48 Prozent für den Wald. …”

      Das Aktionsbündnis (incl. BUND) hat übrigens mehrere 100000€ für den Bürgerentscheidausgeben müssen, um den Wald zu erhalten – bei umweltfreundlicher frühzeitiger Planung wäre dieses Geld sinnvoller verwendbar gewesen für ökologische Verbesserungen in Weiden…

      (5.1. 2021 https://www.otv.de/weiden-aktionsbuendnis-walderhalt-eroeffnet-wahlkampf-470278/):
      “…Dem Bürgerentscheid des Aktionsbündnisses setzt die Stadt ein Ratsbegehren entgegen. Im Vorfeld wolle sie aber keinen “Wahlkampf” machen, sondern die Bürger ausgewogen über das Für und Wider der Bauplanung informieren.
      Das Aktionsbündnis Walderhalt spricht von ungleichen Bedingungen. Während das Bündnis alle Maßnahmen selbst finanzieren müsse, zahle das Ratsbegehren der Steuerzahler, so Sprecher Hans Riedlbauer. Er spricht sich für gemeinsame Gewerbegebiete von Stadt und Land aus, “ohne Kirchtumdenken.”

  4. “Nachher wird´s viel schöner……”
    “Ist alles mit dem Naturschutzgebiet vereinbar”
    ” Stört das Denkmal nicht…”
    Hört hört!
    Naturschutz oder Denkmalschutz.
    Ein Schutz der nicht schützt, nichts nützt!
    Hört endlich auf die Bürger zu verschaukeln!

    Claudia Kaiser

  5. Realitätsverzerrung und Größenwahn hat hier ja inzwischen System – als langjährige direkte Anwohnerin dieses Bauplatzes bitte ich zusätzlich um Genehmigung eines Hubschrauberlandeplatzes!
    Auf einer andere Art und Weise werden die Anwohner der Grenzkolonie nämlich in Zukunft nicht mehr zu ihren Häusern gelangen. Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und die Straßeninfrastruktur passt sich über Nacht der bereits jetzt grenzwertigen Verkehrsbelastung an???

  6. In der AZ war gestern folgender Artikel zur Fauststraße 90:
    https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/stadtviertel/fauststrasse-wird-bebaut-fatale-fehlentscheidung-art-704633
    Demnach stehen in der Grenzkolonie 10 Meter hohe Einfamilienhäuser, die nur 70 cm niedriger sind als die geplanten viergeschossigen Neubauten.
    Interessant.
    Vergleicht da jemand etwa absichtlich Traufhöhe mit Firsthöhe?
    Und vier Etagen incl. Dachaufbau auf nur 10,7 m unterzubringen halte ich für sehr ambitioniert.

  7. Der
    Mehrheitsbeschluss des Stadtrates in München zum Bauvorhaben an der
    Fauststraße 90 ist gefallen:
    Wo bleibt hier eine Schadensbegrenzung ?
    ° ein Verkehrschaos ist zu erwarten!
    ° für Radfahrer wird es enger und gefährlicher als jetzt
    (Verkehrszunahme durch Autoverkehr ).
    ° Landschaftsschutzgebiete werden durch Bebauung reduziert.
    ° wieder ein Beitrag zur Absenkung des Grundwasserspiegels in
    Trudering.
    ° Bauten entstehen im Erweiterten Wasserschutzgebiet.
    ° Trudering liefert bei hohem Wasserbedarf für München zusätzlich
    Wasser.
    ° die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf dem Piedersdorfer- Gelände
    mit den entstehenden 1300 Wohnungen werden sich wahrscheinlich auf die Wasserversorgung für unsere
    Urenkel zeigen.
    ° wo bleibt hier die Idee von einer Nachhaltigkeit?
    ° wie gut war die Nutzung des Sportgeländes mit Schwimmbad, damals
    “Neue Heimat”.
    ° Die “Neue Heimat” hat seinerzeit das Waldgebiet zur
    Sportanlage ausgewählt um es als Oase der Erholung zu nutzen.
    ° vom Bergmolch, der in Trudering geschützt ist über die Insekten bis
    zur Blindschleiche, einschließlich der Vogelarten wird der Naturschutz zu Nichte gemacht.
    ° das Krötenquaken im Wald wird verschwinden.
    ° die Waldesruh wird zusätzlich eingeschränkt.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.