Landeshauptstadt veröffentlicht Bürger:innen-Gutachten zum Paketpost-Areal

Vorwort des Oberbürgermeister Reiter:

Liebe Münchner*innen,
in Neuhausen-Nymphenburg soll auf dem Areal um die denkmalgeschützte Paketposthalle ein neues Stadtquartier entstehen – zum Arbeiten und Wohnen, aber auch als Angebot für die Bewohner*innen der umliegenden Stadtviertel, die dort in einigen Jahren neue Geschäfte, Kulturangebote und Kitas vorfinden sollen. Das PaketPost-Areal, das als Gewerbefläche bisher eher abgeschottet wirkt, ist nicht irgendein Neubaugebiet: Es befindet sich in zentraler Lage an der großen Bahnachse, die die westliche Stadteinfahrt bildet, und soll an dieser markanten Stelle im Süden Neuhausens auch markant und attraktiv gestaltet werden. Unser Ziel muss sein: Ein neues Stück München für alle, und das beinhaltet ausdrücklich eine große Zahl an Wohnungen mit bezahlbaren Mieten.
Es muss wohlüberlegt sein, was an dieser Adresse entstehen soll. Erste Konzepte für die Nutzung und Gestaltung liegen bereits vor. Sie werfen zahlreiche spannende Fragen auf, die für die gesamte Stadt von Bedeutung sind. Und die am besten von den Bürger*innen selbst beantwortet werden können.


Auszug aus dem Interview mit Stadtbaurätin Frau Dr.(Uni Florenz) Elisabeth Merk

Wie sind Sie auf die Idee zum Bürger*innengutachten PaketPost-Areal gekommen?

Bereits 2013 hatten wir zum Kunstareal München ein Bürger*innengutachten durchgeführt. Dieses Verfahren auf Augenhöhe hat mich sehr überzeugt. Wir bekamen fundierte, konstruktive und vor allem kreative Vorschläge, wie wir dieses Areal in seiner Vielfalt noch attraktiver gestalten können und als Gesamtheit in der Wahrnehmung stärken.
Ähnliche Erkenntnisse und Ideen erhoffen wir uns jetzt wieder, auch wenn es inhaltlich beim PaketPost-Areal um andere Fragestellungen und Herausforderungen geht: Um den Neubau eines kompletten Stadtquartiers, die künftige Nutzung der bislang für die Bevölkerung nicht zugänglichen Paketposthalle als einmaliges Industriedenkmal – um die Themen der Nachhaltigkeit und sozialen Ausgewogenheit, um die Gestaltung von Grün- und Freiflächen, um Architektur und die städtebauliche Kubatur.
Es ist ein zukunftsweisendes Projekt, das ganz München bewegt. Deshalb war es mir wieder sehr wichtig, einen breiten Ausschnitt der Stadtgesellschaft in die Planung miteinzubeziehen.

Auszüge aus dem Gutachten:

Ein nachhaltiges Quartier mit innovativem, autoarmem Mobilitätskonzept schaffen:
…..Durch diese und weitere Maßnahmen sollen Anreize gesetzt werden, die zukünftigen Bewohner*innen darin zu unterstützen, ökologisch nachhaltig zu leben.

Mehr Grün- und Freiflächen im PaketPost-Areal bereitstellen:
….Die geplante Größe der öffentlichen Freifläche in der Paketposthalle von 18.000 Quadratmetern darf nicht durch kommerzielle Nutzungen unterschritten werden. Die vorgesehenen 20 qm Freifläche pro Person sollen innerhalb des Areals ermöglicht werden. Freiflächen haben dabei Priorität gegenüber der bebauten Fläche, aber möglichst nicht auf Kosten des Wohnraumes. Dies kann beispielsweise durch höhere Wohnblöcke oder ein weiteres Hochhaus im Areal erreicht werden. Insbesondere vor der Paketposthalle empfehlen die Bürgergutachter*innen, einen Vorplatz einzuplanen.

Den bestehenden Masterplan weiterentwickeln:
…..Dennoch empfiehlt eine Mehrheit der Bürgergutachter*innen das Projekt auf Grundlage des aktuellen Masterplans unter Berücksichtigung des sinnvollen und notwendigen Baus von Hochhäusern weiterzuentwickeln. Um den hohen Ansprüchen eines derartigen Bauprojekts an das Gemeinwohl Rechnung zu tragen, wäre ein städtebaulicher Wettbewerb das geeignete Instrument gewesen.

Die Hochhäuser bauen aber gegebenenfalls architektonisch überarbeiten:
….Während einem Teil der teilnehmenden Bürger*innen der aktuelle Entwurf des Architekturbüros Herzog & de Meuron gefällt, spricht sich ein anderer Teil für die Durchführung eines Architektur-Wettbewerbs aus.

Die Nutzung und den Betrieb der Paketposthalle klären:
Die Idee, die Paketposthalle langfristig als einen attraktiven und vielfältigen öffentlichen Ort der Begegnung und als Freiraum im Areal zu nutzen, stößt bei den Teilnehmenden auf breite Zustimmung. Um dies zu gewährleisten, ist es aus Sicht der Bürgergutachter*innen unbedingt notwendig, frühzeitig ein Konzept für die Gestaltung der Nutzung und den Betrieb der Halle zu entwerfen. Dies umfasst insbesondere die Trägerschaft der Erdgeschossflächen, das Betreiberkonzept für das Erd- und Untergeschoss sowie die Klärung, wer das finanzielle Risiko des Betriebs der Halle trägt. Für den Betrieb der Halle wird unter anderem vorgeschlagen, dass die Landes hauptstadt München den organisatorischen Rahmen für den kulturellen Betrieb durch die Gründung eines Vereins oder einer Interessengemeinschaft setzt. Die Nutzungsrechte der Öffentlichkeit sollen im Grundbuch verlässlich und dauerhaft abgesichert werden.

Der schweigenden Mehrheit eine Stimme geben:
In Bürgerbeteiligungsverfahren engagieren sich häufig Betroffene in besonderem Maße. Sie haben gute Gründe, sich zu Wort zu melden, da die von Verbänden organisierten Interessen in der Öffentlichkeit meist sehr präsent sind. Das verzerrt die öffentliche Wahrnehmung, weil die „schweigende Mehrheit“ nicht zu Wort kommt. Sofern sie nicht unmittelbare Nachteile befürchten, sehen viele Bürger*innen kaum die Notwendigkeit, sich vertieft eine Meinung zu bilden. Wenn sie es doch tun, vertreten sie ihre Positionen selten öffentlich. Diese „schweigende Mehrheit“ ist aber ein wichtiger, mindestens gleichberechtigter Teil der Einwohnerschaft – sie kann und sollte auch das Gemeinwohl vertreten, denn von politischen oder kommunalen Sachentscheidungen sind alle Bewohner*innen betroffen. Das Verfahren „Bürgergutachten durch Planungszellen“ gibt im Informationsteil der Arbeitseinheiten starken, organisierten Interessen eine Rolle. Durch die Zufallsauswahl der Teilnehmenden gibt es zugleich der schweigenden Mehrheit eine Möglichkeit, sich eine fundierte Meinung zu bilden und diese zu artikulieren.

Lesen Sie hier das gesamte Gutachten

Das Foto zeigt eine Höhenveranschaulichung anhand der im September 2021 gesetzten Höhenballons am Paketpost-Areal.

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Ein Kommentar

  1. Wer sie evt. nicht kennt, dem lege ich diese beiden Bücher ans Münchner Herz:

    Erwin Schleich, Die zweite Zerstörung Münchens (1978 Steinkopf-Verlag)
    Karl Klühspies, München – nicht wie geplant (2015 Münchner Forum)

    Es grüßt herzlich Wolfgang Mengel

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