Rathausnachrichten vom 08. Juni 2021: PaketPost-Areal: Städtebauliches Modell im PlanTreff zu besichtigen

Interessierte Bürger*innen, die sich ein konkretes Bild vom aktuellen Stand der Planung für das PaketPost-Areal machen wollen, haben dazu ab Mittwoch, 9. Juni, die Gelegenheit: Das städtebauliche Modell des Areals kann bis Donnerstag, 29. Juli, im PlanTreff in der Blumenstraße 31 besichtigt werden. Der PlanTreff ist von Dienstag bis Freitag jeweils von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Es gelten die allgemeinen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln. Das Tragen einer FFP2-Maske ist Pflicht.
Visualisierungen und Modellfotos sowie weitere Informationen stehen ab 8. Juni, 16 Uhr – zu Beginn der Sitzung der Kommission für Stadtgestaltung, in der die überarbeitete Masterplanung für das PaketPost-Areal zum ersten Mal öffentlich präsentiert wird – auf der Internetseite der Pressestelle des Referats für Stadtplanung und Bauordnung zum Download bereit (muenchen.de/plan-presse).
Der ursprüngliche Masterplan-Entwurf war 2019 vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron im Auftrag der Büschl Unternehmensgruppe erarbeitet worden. Er sieht unter anderem zwei Hochhäuser sowie die Nutzung der denkmalgeschützten Paketposthalle als öffentlicher Platz und als Kulturzentrum vor. Der Planungsausschuss des Stadtrats hatte im Oktober 2019 dem Masterplan grundsätzlich zugestimmt und eine Überprüfung beziehungsweise Weiterentwicklung gefordert. Ihm wird der neue Planungsstand am 16. Juni bekanntgegeben. Für das Bürgergutachten im Herbst 2021, bei dem 100 repräsentativ ausgewählte Münchner*innen Ideen und Vorschläge für die Neuplanung des PaketPost-Areals entwickeln werden, bildet der überarbeitete Masterplan die Diskussionsgrundlage.

Neues Leben auf dem PaketPost-Areal

Das Projekt:
Auf einem Gewerbeareal im Süden Neuhausens soll ein neues, unverwechselbares Stadtquartier mit rund 1.100 Wohnungen sowie Büros für 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Im Mittelpunkt steht die jetzt noch als Briefverteilzentrum genutzte Paketposthalle, deren kühn geschwungene Konstruktion als öffentlicher Treffpunkt und als Kulturzentrum genutzt werden soll.

Flankiert werden soll das einst als Güterbahnhof genutzte Bauwerk, das Ende der 1960er Jahre die weltweit größte freitragende Betonfertighalle war, von zwei Hochhaus-Türmen, die wie der gesamte Masterplan für das Gelände vom Architekturbüro Herzog & de Meuron stammen. Sie „zitieren“ an ihren konkav gewölbten Seitenfassaden ganz bewusst den Bogen der Paketposthalle – nur eben in vertikaler Richtung. So sehen es die Planungen des Investors, der Büschl-Unternehmensgruppe, für das Areal an der Arnulfstraße auf Höhe Friedenheimer Brücke vor. Abschließende Entscheidungen sind noch nicht gefallen, das Projekt befindet sich in einer frühen Phase des Planungs- und Genehmigungsprozesses – zudem kommen erst noch die Münchner*innen zu Wort.

Wie hoch die Türme genau werden, wie die Halle konkret genutzt werden kann und wie ein lebenswertes Viertel aussehen könnte, können etwa 100 durch Zufallsauswahl gesuchte Bürger*innen im Herbst diskutieren. Die Ergebnisse dieses vom Stadtrat beschlossenen Bürgergutachtens fließen in die weiteren Planungen mit ein. Die Fernwirkung der Hochhäuser und damit die Auswirkung auf die Stadtsilhouette wird noch durch ein Gutachten untersucht.

Die Planung für die Türme wurde aktuell noch weiterentwickelt: Die Architekten, die auch die Allianz-Arena im Münchner Norden sowie die Fünf Höfe in der Altstadt entworfen haben, haben zwei Schrägaufzüge an den Außenfassaden ergänzt und die Türme so gedreht, dass die filigrane Form besser zur Geltung kommt. Ein städtebauliches Modell des Areals ist ab Mittwoch, 9. Juni, im PlanTreff an der Blumenstraße 31 ausgestellt (geöffnet von Dienstag bis Freitag jeweils zwischen 13 und 19 Uhr). Das Tragen einer FFP2-Maske ist Pflicht. Das Modell ist bis 29. Juli zu sehen.

Das Besondere:
Das neue Quartier sticht architektonisch hervor – durch die (dann sanierte) Paketposthalle und die beiden Türme, in deren obersten Etagen Gastronomie, Kultur und eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform vorstellbar sind. Die überwiegend sechsgeschossigen Wohn- und Geschäftshäuser, in deren Erdgeschossen Geschäfte und Gastronomie unterkommen sollen, stehen südlich, westlich und nördlich davon – dort befinden sich heute unter anderem die Werksparkplätze der Deutschen Post, die voraussichtlich bis 2023 die Flächen räumen will.

Auch in den Türmen sollen neben Büros Wohnungen unterkommen – das gesamte Quartier wird nach den Grundsätzen der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) geplant, die einen festen Anteil geförderter beziehungsweise bezahlbarer („preisgedämpfter“) Wohnungen garantiert. Die Gassen rund um die Gebäude werden autofrei konzipiert, der gesamte Anlieferverkehr soll unterirdisch ablaufen. Dort befinden sich auch die Parkplätze der Anwohner*innen.

Das Viertel soll sich durch ein klares Bekenntnis zur Ökologie und Nachhaltigkeit auszeichnen. So sind beispielsweise Pergolen mit Photovoltaikanlagen auf den gemeinschaftlich nutzbaren, begrünten Dachflächen vorgesehen. Um den CO2-Verbrauch zu reduzieren, wird eine Holzhybridbauweise der beiden Hochhäuser geprüft. Die Pläne für die Paketposthalle, die als öffentlicher überdachter Platz Mittelpunkt des neuen Viertels werden soll, müssen erst noch weiter konkretisiert werden – unter anderem durch das Bürgergutachten.

Mitreden:
Eine solche Planung geht alle Münchnerinnen an, die Beteiligung der Öffentlichkeit ist daher noch umfangreicher als üblich. Der Stadtrat hat im Januar 2021 beschlossen, ein Bürgergutachten zu organisieren. Dabei werden per Zufallsprinzip etwa 100 Bürgerinnen ab 14 Jahren aus dem Melderegister gewählt, die in Gruppen mehrere Tage lang über verschiedene, das PaketPost-Areal betreffende Themen beraten und ihre Positionen einbringen. So soll dieser Querschnitt der gesamten Stadtbevölkerung Vorschläge zur weiteren Entwicklung erarbeiten.

Diskussionsgrundlage für die Arbeit der Bürgergutachter*innen ist der Zwischenstand des überarbeiteten Masterplans, der dem Stadtrats-Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung am 16. Juni vorgestellt wird. Die „Planungszellen“ kommen im Herbst zusammen. Das Verfahren des Bürgergutachtens ist für die öffentliche Debatte wichtiger Planungsthemen besonders geeignet, da ein breites Spektrum unterschiedlicher Menschen mitreden kann. Die Organisation durch ein unabhängiges Büro ist fester Bestandteil des Konzepts. Mögliche Diskussionsthemen könnten sein: die Nutzung der Freiflächen, der Erdgeschossbereiche sowie der Halle selbst oder auch die Architektur und Kubatur der Hochhäuser. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden veröffentlicht und fließen in die weiteren Planungen ein.

Am 29. Juni 2021 veranstaltet das Referat für Stadtplanung und Bauordnung eine öffentliche Auftaktveranstaltung zum Bürgergutachten, die sich nicht nur an die ausgewählten Bürger-Gutachter*innen richtet, sondern als Informationsforum für alle interessierten Münchner*innen gedacht ist. Teilnahmen kann man über diesen Link. Wetere Details werden rechtzeitig auf dieser Seite veröffentlicht.

Planungsstand:
Das 8,7 Hektar große Grundstück gehört der Büschl Unternehmensgruppe, die Herzog & de Meuron mit der Entwicklung eines Masterplans beauftragt hat. Darin wird ein städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept für das Areal und ein Nutzungskonzept für die denkmalgeschützte Paketposthalle vorgeschlagen. Im Oktober 2019 hat der Stadtrats-Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung dem Masterplan für die Bebauung grundsätzlich zugestimmt und eine Überarbeitung beziehungsweise Weiterentwicklung angeregt. Dies ist inzwischen geschehen. Am 7. Juni 2021 wird der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg, am 16. Juni der Planungsausschuss des Stadtrats offiziell über den aktuellen Planungsstand informiert. Für den weiteren Planungsprozess bildet dann das Bürgergutachten einen wesentlichen Baustein. Es wird evaluiert, dem Stadtrat vorgelegt und schließlich zur Grundlage für die offizielle Beteiligung der Öffentlichkeit, die in einem Bebauungsplanverfahren Standard ist.

4 Kommentare

  1. “München wird Weltstadt” lautete von Jahrzehnten ein vielzitiertes Schlagwort.
    Die Stadt war damals eher behaglich als modern, die Wohnungen waren bezahlbar, die Mieten gedeckelt. Kurz: es war angenehm in dieser Stadt zu leben.
    Vor bald 20 Jahren lehnten die Münchner BürgerInnen in einer Befragung mit knapper Mehrheit Hochhausbauten ab, wenn sie die Türme der Frauenkirche an Höhe übertreffen sollten.
    Das Stadtbild blieb trotz einiger Störungen erhalten, Was München dadurch erspart geblieben ist, zeigt die Skyline von Frankfurt am Main.
    Als interessantestes Hochhaus ist der BMW-Turm des Architekten Karl Schwanzer zu erwähnen, ein Bürogebäude in Form eines Vierzylinders – sozusagen gebaute Eigenwerbung für diese Autofirma.

    Der Hochhaus-Boom erreichte München in den achtziger Jahren, die Innenstadt blieb bisher verschont, viele Sichtachsen wurden allerdings gestört, besonders auffallend am Beispiel der Leopoldstraße demonstriert. Inzwischen wird (sozusagen als “Befreiungsschlag” für angeblich fortschrittliche Architekten) am immer noch respektierten Richtwert der Frauentürme gerüttelt.
    Die Architekten Herzog & de Meuron wollen mit ihrem 155 Meter Projekt die Krümmung der elegant geschwungenen Paketposthalle in die Vertikale übersetzen. Nach dem Bauherrn benannt, könnte sich die Bezeichnung “Büschel-Banane” durchsetzen. Allerdings scheint einem späteren Entwurf nach zu schließen, auf diese Krümmung jetzt verzichtet zu werden, eine wirkliche Verbesserung ist aber nicht zu erkennen.

    Das Stadtbild von Basel hat dieses Architektenteam mit den “Roche-Türmen” (1. Turm 2015 fertiggestellt, 2. Turm seit 2017 in Bau) bereits geprägt. Unumstritten sind diese “Wahrzeichen” jedenfalls nicht……

    In München sollen nach ersten Protesten gegen diese Planungen vom Planungsreferat 100 “zufällig ausgewählte” BürgerInnen ab 14 Jahren (!) zu einem Bürgergutachten auf Kosten der Stadt München (!) eingeladen werden. Dafür werden 200 000 Euro bereitgestellt, die aber nach Presseberichten nicht der Bauwerber bezahlen soll. Alles in Ordnung?

  2. Mehrfach bemühte P. de Meuron während seiner Präsentation den Vergleich seiner Türme mit dem Eiffelturm. Der ist bekanntlich nach dem Ingenieur und Unternehmer Gustave Eiffel benannt. Da ist es nur konsequent, hier von Büschl-Bananen zu sprechen.
    Damit es auch jeder versteht, zog er den Vergleich mit den Roche-Türmen in Basel, neben denen er wohne und die er nicht als Bedrohung empfinde. Das wäre verwunderlich, denn er hat sie selbst geplant. Wie die Roche-Türme sollen die Büschl-Bananen identitätsstiftend für München sein. Heißt also: Hinweg mit der Münchner Stadtsilhouette mit Frauentürmen, Theatinerkirche… Das war gestern. Deren identitätsstiftende Wirkung kam ihm gar nicht in den Sinn. Gegen den Olympiaturm und das BMW-Hochhaus (101m) habe doch auch niemand Einwände. Mit einem Wahrzeichen möchten es also die Büschl-Bananen aufnehmen und das Hochhaus eines ortsansässigen DAX-Unternehmens an der Peripherie in den Schatten stellen. Hut ab!
    Künftig werden Touristen Frauenkirche und Olympiaturm links liegen lassen. Touristenziel Nr. 1 werden die “begehbaren Skulpturen”, die Büschl-Bananen, unser neues Wahrzeichen sein. Dann heißt es “Willkommen in der Bananen-Stadt!”
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

  3. Die Bürgerinnen und Bürger Münchens haben bereits einmal gegen Hochhäuser votiert. Die Stadt möge die Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger befragen, bevor sie sich für einen derartigen Stadtbild verändernden Schritt mit allen Konsequenzen entscheidet. Was soll ein Bürgergutachten mit beliebigen Bürgerinnen und Bürgern bringen, die beispielsweise maximal rudimentäre Kenntnisse über das Thema Sichtachsen und Verschattung haben? Das unterstelle ich hierbei. Früher wussten Architekten genau, wo sie ein höheres Gebäude zu plazieren hatten, sämtliche Sichtachsen wurden vorher in der Theorie durchgespielt. So etwas hat die Branche heutzutage offensichtlich verlernt. Siehe Zwillingstürme am Mittleren Ring, die die Sichtachse der Ludwig/ Leopoldstraße bereits ab dem Odeonsplatz bei ungünstiger Witterung verstellen. Die Allee endet nicht mehr in der Ferne und symbolisiert Freiheit und Offenheit, sondern wird von zwei klotzigen dunklen Hochhäusern verstellt.
    Interessant auch der Weichzeichner auf allen Exposes der Architekten. Offensichtlich wäre es zu erdrückend und schockierend, würde man die gigantischen Türme in ihrer echten Wirkung, realistisch darstellen.
    Alle Bürgerinnen und Bürger mögen befragt werden, insbesondere auch die betroffenen Anwohner, die von den massiven Türmen verschattet werden.
    München hat bis heute seinen mediterranen, historischen und kleinteiligen Charakter trotz Kriegszerstörung und diverser Bausünden in den letzten Jahrzehnten erhalten können. Man ist mit den Türmen dabei, Vorschub zu leisten, den Charakter Münchens zu beschädigen und München zu einer austauschbaren Stadt zu machen.
    München hat sich nicht irgendeiner Allerwelts-Pseudomoderne zu beugen, die Architektur hat sich München anzupassen.

  4. München ist keine Hochhausstadt und würde seine Identität verlieren wenn Investoren erlaubt würde aus München Frankfurt zu machen. Mit teuren Hochhäusern lässt sich auch das bezahlbare Wohnen nicht erreichen. Die Gesellschaft wird noch stärker in Arm und Reich gespalten. Ökologisch und für die Stadtbelüftung wäre diese Entwicklung schädlich.

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