Leserbrief zum Artikel in der TZ vom 5. Mai 2021: Hilferuf für den Derzbachhof

„Über Jahre engagiere ich mich selbst für den Erhalt des Derzbachhofs in seiner ursprünglichen Form und bin Zeuge einer architektonischen, kulturellen wie nicht zuletzt politischen Tragödie”.
Unter den immer gleichen Beteuerungen einer korrekten und sorgfältig überwachten Baumaßnahme, die abgestimmt zwischen Bürgermeister, Stadtverwaltung und Lokalbaukommission zirkulieren, opfert die Stadt mit dem alten Hof aus der Zeit Mozarts und der Bauepoche des Schlosses Fürstenried eines ihrer vielen Kulturdenkmäler, die ihr ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen und durch die gezeigte Wahrung historischer Tradition für künftige Generationen auch ein Anschauungsbeispiel für Nachhaltigkeit sein könnten.

Stattdessen droht Forstenried eine geschichts- und gesichtslose Ortskernverbauung aufgedrückt zu bekommen. Mehr als gerechtfertigt, mutig und bewundernswert ist der Hilferuf der Bürger an eine Stadtpolitik, die jede demokratische Beteiligung in dieser wie in vielen weiteren Angelegenheiten öffentlichen Interesses mit vorgefertigter Routine abweist oder ignoriert.

Diesmal erfolgte eine Antwort der Leitung der Lokalbaukomission zwar prompt und wieder mit Hinweis auf einen juristisch korrekten Ablauf; allerdings wurde die Bürgerinitiative aufgefordert, “von weiteren Schreiben dieser Art abzusehen”.

Dr. Anton Vogel (Forstenried)

Ein Kommentar

  1. der kurze tz-Artikel mit Foto ist leider nicht online verfügbar, in dem Frau Kaiser die Entfernung wertvoller alter Bausubstanz (Holzblock-Verzapfung) ” mit der Kettensäge” kritisiert und Investor Euroboden behutsames Vorgehen beschreibt in Zusammenarbeit mit Denkmalschutz-Experten.
    Aber wer in Forstenried durch die Planen des Derzbachhof-Baugrundstückes lugt, erkennt , wie wenig noch vom Original-Hof steht. Denkmalschutz mit der Absicht, möglichst viel alte Substanz zu erhalten, sieht wohl kaum so aus, dass das meiste neu aufgebaut wird.
    Moderner Denkmalschutz will wohl ein schönes sauberes Gebäude, das an alte Zeiten nur durch sein “Erscheinungsbild” erinnert. Die Ausstrahlung echter alter Mauern, Balken und Inneneinrichtung kann das nicht ersetzen; – kann man ein altes Denkmal überhaupt sanieren? – müsste man es nicht “liebevoll” restaurieren?
    Als Nicht-Fachfrau werde ich jedenfalls den Tag im Jahr 2018 nicht vergessen, an dem ich in dem (noch-) Bauerngarten mit seiner Streuobstwiese stand und mich vor dem alten Derzbachhof – der von 1751 bis jetzt Jahrhunderte so tapfer durchgehalten hat – in die alte Zeit versetzt sah und mir wünschte, Stadt-Schulkinder könnten diesen Bauernhof und seine alte Zeit noch viele Jahre erfühlen, begreifen und erleben…

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