Die Klimaziele der Stadt München sind kaum mehr zu erreichen!

Die Zweite Stammstrecke wird Klimaneutralität in diesem Jahrhundert nicht mehr erreichen. Ein einfache Rechnung zeigt, dass die beim Bau der 2.Stammstrecke erzeugten CO2-Mengen frühestens im Jahr 2099, eher 100 Jahre später durch die Einsparungen im PKW-Verkehr kompensiert werden.

Der Bau von 1 km U-Bahn verursacht im Durchschnitt 90645 Tonnen CO2! Das hat die kürzlich veröffentlichte Studie “Die Klimabilanz Berliner U-Bahn und Straßenbahnplanungen”,  die derzeit geplante U-Bahn-Vorhaben untersucht, ergeben. Für die 10 km lange 2. S-Bahn-Stammstrecke mit den zwei 7 km langen Röhren ergibt das einen Ausstoß von 1.540.965 t CO2. Die CO2-Vermeidung durch weniger PKW-Verkehr beträgt 22900 t/Jahr (Intraplan 2012). Somit wäre die 2.Stammstrecke nach 67 Jahren CO2-neutral. Das ist leider ein optimistischer Wert, da die Berliner Studie Projekte im Planungsstadium untersucht. Im Durchschnitt sind da die Baukosten mit 85 Mio Euro pro km Tunnel angesetzt. Die 2.Stammstrecke, deren Planungsstand sehr weit fortgeschritten ist, weist Kosten von 224 Mio Euro pro km aus. Das ist ein Faktor von 2,6 und lässt Schlimmes befürchten.

In der Argumentation und Eigenwerbung (siehe 4.Absatz) des Projekts heißt es zwar: “Denn allein schon unter den Aspekten Klimaschutz und Nachhaltigkeit sollte es das Ziel aller sein, dass immer mehr Menschen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen.” Angesichts der Fakten eine absurde Behauptung.

Was bedeutet das für die ehrgeizigen Klimaziele der Stadt München?

Dort ist zu lesen, dass der CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr von 5,9 t in 2017 bis auf 3,0 t in 2030 sinken wird. Um dieses Ziel weiterhin zu erreichen, muss der zusätzliche Ausstoß durch den Bau der 2.Stammstrecke in dieser Zeit kompensiert werden. Der pro-Kopf-Ausstoß müsste also um 43%, im ungünstigen Fall um 113% reduziert werden. Eine Steigerungen der Maßnahmen in diesem Umfang wird wohl schwierig bis unmöglich sein!

Kleiner Nachtarock: Die Stadt München hat bekanntlich in 2001 zwischen den zwei gleichwertigen Varianten Tunnel oder Südring den Tunnel bevorzugt. Eine 2. Stammstrecke über den Südring wäre schon seit 10 Jahren im Betrieb und grob geschätzt seit 2014(!) klimaneutral.

Mehr Informationen zum S-Bahnausbau auf: www.s-bahn-ausbau.de

Foto: © LHM

Ein Kommentar

  1. Als Faustregel für den CO2-Ausstoß beim Tunnelbau kann man wohl einen Wert zwischen 30.000 und 90.000 t Treibhausgas je 1km Baustrecke festhalten, wie sich aus diesem Bericht und dem Leserbrief, s.u. ergibt.
    Zu dem Thema “CO2-Ausstoß beim Tunnelbau” ist auch der Leserbrief von dem Verkehrsfachmann Herrn Rößler interessant, der in der SZ am 8.5.2021 zur Diskussion des Nordzulaufs für den Brennerbasistunnel erschien:
    Leserbriefe – Brenner-Basistunnel – Achillesferse der Verkehrspolitik – SZ
    https://www.sueddeutsche.de/kolumne/brenner-basistunnel-achillesferse-der-verkehrspolitik-1.5287872
    Unter dem Titel “Klimaschädliche Tunnels” schreibt Herr Rößler u.a. :
    “.. Geht man davon aus, dass pro Kilometer rund 29 000 Tonnen Treibhausgas (Kohlendioxid, Methan und Lachgas) bei der Herstellung des für die Tunnel benötigten Zements und Bewehrungsstahls freigesetzt werden,..” und berechnet daraus Mio Tonnen CO2-Ausstoß für die geplanten langen Tunnels dort.

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