Liebe Interessenten des Bündnis NordOst,
wir, der Vorstand des Bündnis NordOst e.V., sehen die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 sehr kritisch und lehnen diese Bewerbung aus vielerlei Gründen ab, die wir Ihnen hiermit erläutern wollen.
Nicht, weil wir Sport ablehnen, oder es der Stadt München organisatorisch nicht zutrauen, oder wie oft behauptet wird, dass „Manche Bürger immer gegen alles sind“ oder weil wir rückwärtsgewandte Bürger sind.
Wir sind nicht rückwärtsgewandt oder gar gegen ALLES. Wir sind auch nicht generell gegen eine Bebauung, wir wollen nur, dass, wenn man hier baut, dies auch ein Stadtteil sein wird, der eine gute Lebensqualität hat für die, die hier bereits wohnen, für den Pferdesport, für die Landwirte und dann schließlich für die, die neu hierherziehen werden.
Das heißt nicht nur hier wohnen, sondern hier „Leben“.
Wir wollen qualitativ wachsen und nicht quantitativ!
Und diese Aspekte werden, unserer Meinung nach, nicht entsprechend berücksichtigt. Wir wollen, dass die Fehler, die in anderen Stadtvierteln, wie Messestadt Riem, Freiham etc. gemacht wurden bzw. werden, eben hier im Nordosten nicht mehr gemacht werden.
In den nächsten Tagen erhalten Sie die Briefwahlunterlagen für den Bürgerentscheid am 26.10.2025.
Mit diesen Unterlagen erhalten Sie auch einen Flyer, der für Olympia wirbt. Unsere Meinung dazu ist, um den Bürger umfänglich zu informieren, wäre ein Pro- und Contra-Flyer demokratischer gewesen.
Markus Bichler und ich waren am 11. September 2025 in der Unterausschuss-Sitzung im Bezirksausschuss 13 / Bogenhausen. In dieser Sitzung hat das Planungsreferat, vertreten durch Frau Fritz (Projektleitung) und Nina von dem Recken (Öffentlichkeitsarbeit), das Konzeptes für die „Entwicklung im Nordosten im Kontext der Olypiabewerbung“ vorgestellt. Der angekündigte Mitarbeiter vom RWS (Wirtschaftsreferat) hat den
Termin „vergessen“ und erschien leider nicht. Somit waren Fragen, die finanzieller Thematik waren, nicht möglich bzw. konnten nicht beantwortet werden.
Das Olympische Dorf soll für 18.500 Olympioniken und Betreuer entlang der Glücksburger Straße entstehen.
Das Mediendorf für etwa 3000 Berichterstatter ist seitlich des Trainingsareals der Pferderennbahn vorgesehen. Anschließend werden hier dann ca. 10.500 Wohneinheiten entstehen.
Die Bebauung wird eine Fläche von ca. 28 Hektar umfassen, mit den entsprechenden Erschließungen, wie Straßen,
etc. werden ca. 98 Hektar benötigt (was nach den vorgelegten Darstellungen u. E. nicht den Tatsachen entspricht).
Der Stadt München gehören in diesem Areal ca. 80 % der Fläche. Die restlichen 20 % gehören ca. 25 – 30 anderen Eigentümern.
Das Olympische Dorf soll durch eine Trambahn (aktuell über die Rennbahnstraße) und den U-4-Ausbau erschlossen werden.
Außerdem wird der S-Bahn Nordring ausgebaut. Was unserer Meinung grundsätzlich sinnvoll ist.
Überrascht hat uns jedoch ein kleiner Nebensatz von Frau Fritz:
„Auf den 4-gleisigen Ausbau der Bahnstrecke in der Tunnelvariante muss aus „zeitlichen Gründen“
verzichtet werden!“
Das ist nicht zu akzeptieren!
Bisher hat man immer damit argumentiert, dass die Tunnelvariant zu teuer ist, jetzt ist es also das
Argument „Zeit“. Was uns wundert, denn eines der Hauptargumente für Olympia, seitens der
Befürworter ist, dass wir durch die hohen Zuschüsse von Bund, Land und dem IOC uns all das leisten
können, was wir uns so wünschen.
Eckdaten zum Ausbau des Tunnels:
Gesamtkosten ca. 2,2 Mrd.
Bauzeit von ca. 12 Jahren
Es gibt in der Vergangenheit 3 Stadtratsbeschlüsse, dass eine Bebauung des Nordostens erst dann möglich ist, wenn der Schienenverkehr (S-Bahn und Güterverkehr) zwischen Daglfing und Johanneskirchen untertunnelt ist.
Das hat seine Gründe!
Eine Erschließung ist somit nämlich erst dann möglich!
Angesprochen auf das Thema „Grundwasser“ im Nordosten, hat man darauf verwiesen, dass es hierzu eine Hydrologisches Gutachten geben wird. Alle, die hier im Nordosten Leben und Wohnen, wissen, dass der Grundwasserspiegel hoch ist. An einigen Stellen sogar bei 0, also direkt an der Oberfläche.
Darauf hingewiesen, dass somit keine „günstige Bebauung“ und somit kein „günstiger Wohnraum“ entstehen wird, wurde von Frau Fritz nicht beantwortet.
Dieses Thema haben wir Ihnen bereits im letzten Newsletter / 2 dargelegt.
Ein weiterer Punkt, der uns nicht positiv auf dieses Projekt „Olympia“ blicken lässt, ist das Thema Finanzen.
Die Stadt München hat zum Jahresende 7,5 Milliarden Euro Schulden und bis Ende 2028 sollen es, lt. städtischen Haushaltsexperten, ca. 11 Milliarden Euro sein.
Nachfolgend ein paar Projekte, die die Stadt München bis heute finanziell nicht gestemmt bekommt:
- Bis heute findet die Stadt München keine vernünftige Lösung, die notwendigen Sanierungen
am Gasteig durchzuführen. - Der Neubau für die Großmarkthalle wurde von Herrn Büschel wieder fallen gelassen. Auch
hier braucht es eine schnelle Lösung und die Finanzierung steht in den Sternen. - Das Olympia Stadion braucht ein neues Dach, dass sich auf 283 Mio. Euro beläuft. Leider hat
man wohl auch kein Geld dafür, denn der Bund, das Land oder gar die EU sollen einspringen. - Herr Reiter hat an der letzten Stadtratssitzung die Stadträte und Referate angewiesen, dass
im aktuellen Haushalt noch 90 Millionen eingespart werden müssen. Es wurde
vorgeschlagen, dass im Haushalt für Bildung dies am ehesten erreicht werden könnte.
Wie bitte! In Bildung! – Das ist doch der Bereich, an dem wir als letztes sparen sollten!
Noch zu bewerkstelligen, sowohl zeitlich als auch finanziell ist:
- der U5-Ausbau von Pasing nach Freiham, der mehr als notwendig ist, denn dort wohnen
bereits Bürger. Kostenpunk laut Stadtkämmerer von Pasing nach Freiham ca. 4 Milliarden.
Herr Frei (Stadtkämmerer) rechnet aber auch mit einem 2-stelligen Mrd. Betrag.
Finanzierung bis heute unklar! - Dazu kämen noch die U-4 bis ins Olympische Dorf, die Trambahn nach Daglfing, die
Überbauungen (Brücken) über die Bahntrasse etc. oder eben der mehr als notwendige
Tunnel, wie bereits oben erwähnt ca. 2,2 Mrd. davon müsste die Stadt München auch einen
erheblichen Teil ca. 1,2 Mrd. selbst tragen. - Sowie der Umbau/Rückbau für die gebauten Wohnungen der Sportler und die IOC-
Funktionäre (nach IOC-Vorgaben), damit die Wo dann für den Bürger nutzbar sind. - Und parallel der Bau der notwendigen Schulen und anderen Infrastrukturell notwendigen
Einrichtungen.
Auch wenn es vom IOC für die Sportstätten und vom Land und Bund für die Infrastruktur Zuschüsse geben wird, wird auch die Stadt München einen erheblichen Teil der Kosten selbst leisten müssen.
Trotz Nachfragen konnte uns seitens der Stadt kein Mitarbeiter eine Auskunft geben, wie hoch die Gesamtinvestitionen für Olympia sein werden und wie hoch die Kosten sein werden, die die Stadt München aus eigener Kraft finanzieren muss.
Ganz zu schweigen davon, dass auch die zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen über Jahre nur auf ein einziges Projekt gelenkt werden, finden wir, angesichts der bestehenden Probleme, die die Stadt hat, das Thema Olympische Spiele, sehr kritisch.
Wie sagte ein Teilnehmer in der Unterausschussitzung:
Dies wäre ein „Finanzielles Harakiri“ für die Stadt München! Genau so sehen wir dies auch!
Mit dieser Wahl stellen wir der Stadt München „quasi“ einen Blankoscheck aus.
Vielleicht helfen Ihnen unsere Sicht der Dinge und Argumente, um eine Entscheidung zum Thema „Olympia“ treffen zu können.
Wir bitten Sie, wie immer, nutzen Sie die Möglichkeit eines Bürgerentscheides. Er ist die demokratischste Möglichkeit für uns Bürger auf die Politik und deren Vorhaben Einfluss zu nehmen.
Mit den besten Grüßen
Daniela Vogt & Markus Bichler
