Süddeutsche vom 15. Juli 2026: Stadt winkt Millionen-Büroturm durch – obwohl nebenan riesige Büroflächen leer stehen

Die Mango-Koalition macht den Weg frei für ein neues Hochhaus der Unicredit-Bank mit 35 400 Quadratmetern – aber ist dabei ungewohnt schmallippig.

Normalerweise haben die Mitglieder des Stadtrats stets große Worte parat, wenn sie beschließen, ein neues Bauprojekt zu ermöglichen. Sie preisen eine Architektur, die das Stadtbild bereichern werde. Oder sie würdigen, dass ein Unternehmen sich zum Standort München bekenne und mit dem Neubau die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt vorantreibe. An diesem Mittwoch war das anders.

…Punkt zwei der Tagesordnung im Planungsausschuss war der Billigungsbeschluss und vorbehaltliche Satzungsbeschluss für eine neue 61 Meter hohe Unternehmenszentrale der Unicredit-Bank am Leuchtenbergring für 1440 Beschäftigte, zusätzlich zur Zentrale der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank im Hochhaus am Arabellapark. Mit diesem Beschluss würde der Stadtrat das Baurecht für die 35 400 Quadratmeter Geschossfläche, das einen Wertzuwachs des Grundstücks im dreistelligen Millionenbereich bedeutet…..

…Es gab heftige Kritik aus der Opposition an dem Vorhaben, das nahe dem Einkaufszentrum „Das Einstein“, auf einem Grundstück zwischen der Bahnlinie München-Rosenheim, dem Leuchtenbergring und der Bothestraße geplant ist. Von einem „Geschenk an den Investor“ sprach etwa Christian Schwarzenberger (Linke), „da werden die Sektkorken knallen“. Es waren Worte, die im Raum stehen blieben.

…Denn keine Stadträtin, kein Stadtrat aus der Regierungskoalition von Grünen/Rosa Liste, SPD und FDP/Freie Wähler meldete sich zu Wort. Auch die größte Oppositionsfraktion CSU blieb stumm, Volt und AfD ebenso. Und doch stimmten all diese Fraktionen für den Bebauungsplan und verschafften ihm damit eine breite Mehrheit.
…Auffällig war das Schweigen insbesondere der Koalition wegen Punkt elf der Tagesordnung, da ging es nämlich um die millionenschwere Finanzierung einer neuen „Umbauagentur Gewerbe zu Wohnen“, ein Herzensprojekt des neuen grünen Oberbürgermeisters Dominik Krause. Die Agentur soll dafür sorgen, dass leer stehende Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden.

…Das prominenteste Beispiel für Büroleerstand befindet sich direkt gegenüber der geplanten neuen Unicredit-Zentrale auf der anderen Seite der Gleise: die Ten Towers. Seit mehr als drei Jahren stehen dort Flächen für 3000 Arbeitsplätze leer, ein Teil davon soll nun mit großem Aufwand in Appartements umgewandelt werden.
weiterlesen

von Sebastian Krass

© Foto: Visualisierung: Sauerbruch Hutton

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert