Im Münchner Nordwesten sollen 1900 neue Wohnungen entstehen, viele davon zu bezahlbaren Mieten. Die einen sehen darin eine große städtebauliche Chance, die anderen fürchten den Verlust eines Naturjuwels.
…..Noch holt sich die Natur einige der Gebäude zurück. Üppiges Grün überwuchert die spitzen Satteldächer leer stehender Siedlerhäuser, die meisten rund 100 Jahre alt – eine Art natürliche Fassadenbegrünung. In ihren Gärten wachsen alte Linden, Blutbuchen, Fichten und Schwarzkiefern. Ihre Äste ragen über die Zäune und säumen die breiten Wege durch den Eggarten – eine waldähnliche Siedlung im Münchner Nordwesten, fast so groß wie 30 Fußballfelder. Seit 1919 steht sie hier. Doch bald wird sich vieles ändern.
….Ein neues Quartier für rund 4500 Menschen soll heranwachsen – mit Schulen, Nahversorgung, Mobilitäts-Sharing, Biergarten und einem naturnahen Park. Das Viertel soll größtenteils autofrei bleiben. Die Energieversorgung wird vor allem über Grundwasserwärmepumpen und Photovoltaikanlagen laufen. Grundstückseigner und Investor Ralf Büschl nennt das Vorhaben ein „ökologisches Vorzeigeprojekt“.
….Das Besondere: Die Büschl-Gruppe, die auch die 155 Meter hohen Türme an der Paketposthalle plant, arbeitet dafür mit mehreren Genossenschaften zusammen. Dass diese auf privatem Grund bauen können, sei in München einzigartig, sagt Genossenschaftsvertreter Christian Stupka. Es handele sich um eines der größten genossenschaftlichen Projekte der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. „Das ist eine einmalige Chance“, betont Stupka
….Martin Schreck (67) kämpft mit Mitstreitern seit fast zehn Jahren gegen die Bebauung. Gemeinsam sitzen sie in einem der Gärten der kleinen Häuser – einige Grundstücke sind noch verpachtet. Schreck sagt: „Das ist ein wahres Naturjuwel, das kann man doch nicht einfach plattmachen.“ Der besondere Charme gehe der Stadtbevölkerung sonst für immer verloren.
….Ralf Büschl kennt die Kritik, hält jedoch dagegen: „Wir machen das Quartier der Öffentlichkeit überhaupt erst zugänglich.“ Bisher seien die Grundstücke eingezäunt, im neuen Viertel könne jeder den Park und die Angebote nutzen. Dass die bestehende Siedlung ein „Kleinod“ sei, räumt er ein. Doch wer Wohnungsbau wolle, müsse „einen Tod sterben“. Das bedeutet: Nur rund 20 Prozent der etwa 1125 Bäume bleiben erhalten.…
Die Projektverantwortlichen betonen hingegen, dass der Eggarten auch künftig grün bleiben soll. „Das war von Anfang an unser Anspruch“, sagt Stupka. Geplant sind 593 Ersatzpflanzungen – knapp 70 Prozent des bisherigen Bestands. Hinzu kommen Dach- und Fassadenbegrünungen. Die Innenhöfe sollen nicht mit Tiefgaragen unterbaut werden, damit dort Großbäume wachsen können und Regenwasser versickert, gespeichert und verdunstet. Das städtische Planungsreferat schreibt, mit dem Konzept bleibe die Grundidee eines „Gartenquartiers“ erhalten – es sei „nachhaltig und lebendig“. Und die Durchlüftungssituion bleibe nach dem Bau günstig, das hätte ein Fachgutachten gezeigt.
weiterlesenvon Julian Limmer
Foto: Eggarten © Robert Hölzl

Wäre nicht ein großer Schritt, der Natur entgegenzukommen, ein echt autofreies Viertel für echt autofreie Menschen, deren es in München deutlich mehr als 4500 gibt. Also keine Angst, dass die Siedlung dann leer steht.
Keine Tiefgaragen, aber auch keine Hochgaragen, dann braucht es auch keine „Erschließung der Stellplätze“. Es könnte ja sein, dass die Wegeführung für die Feuerwehr und Rettungsdienste erheblich flexibler gestaltet werden kann und man damit auch den schönsten Bäumen „aus dem Weg“ gehen kann.
Übrigens krieg ich gleich eine Lego-Allergie, wenn ich sehe, in welch rechtwinkligen Rechtecken die Baumasse verteilt werden soll. Schiebt und dreht und verformt doch mal die Häuser ein wenig, dann wird mancher Baum erleichtert aufjubeln.
Das ist doch prima! In der Innenstadt (neben dem Englischen Garten, einem der größten Stadtparks weltweit) wird die Hauptverkehrsader und zuvor bereits alle Parkplätze abgeschafft. Dafür werden teure Bäume gepflanzt (am Sendlinger Tor für bis zu EUR 90.000/Stück).
Naherholung für die „Grüne“ Mitte und am Stadtrand, dort wo jetzt noch Landwirtschaft betrieben wird (großteils Bio und „von hier“) im Norden und Nordosten wird der fruchtbare Mutterboden dem Betongold geopfert. Der Bauüberhang beträgt bereits jetzt über 30.000 Wohnungen in München.