Süddeutsche vom 11. März 2026: Dieter Reiter und der FC Bayern

Wann Münchens Oberbürgermeister Mitglied der Gremien des Vereins wurde, wie lange er dafür schon Geld bekam – und wie wenig der Stadtrat davon wusste.

….Mittwoch, 18. Februar 2026: Die Abendzeitung berichtet am Aschermittwoch als erstes Medium, dass Dieter Reiter auch im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG den Platz von Edmund Stoiber einnimmt. In der Vereinssatzung heißt es dazu unter Paragraf 17, Absatz 5: „Der Vorsitzende des Verwaltungsbeirats gehört als geborenes Mitglied dem Aufsichtsrat der Gesellschaft an.“ Noch am selben Tag reagiert Dieter Reiter auf die Frage nach möglichen Interessenkonflikten.

…..Mittwoch 25. Februar 2026: Nach den Faschingsferien bringt die ÖDP eine Anfrage an den OB in den Stadtrat ein. Die Oppositionspartei sieht durchaus eine Gefahr von Interessenkonflikten und möchte Auskunft haben über die rechtliche Prüfung der Mandate, die Anzeige- und Genehmigungspflichten sowie die Höhe einer möglichen Aufwandsentschädigung. „Die Münchnerinnen und Münchner haben ein Recht darauf zu erfahren, wie eng Amt und wirtschaftliche Interessen hier tatsächlich miteinander verknüpft sind“, sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff.

….Ende Februar 2026: Vor der letzten Vollversammlung des Stadtrats vor den Kommunalwahlen drängen immer mehr Fraktionen im Stadtrat den Oberbürgermeister zur Aufklärung. Selbst die Grünen, Koalitionspartner von Reiters SPD im Rathaus, fordern Transparenz, vor allem zur Vergütung als Aufsichtsrat. Hinzu kommt die Frage, ob sich Reiter seine Engagements beim deutschen Fußball-Rekordmeister nicht vorher vom Stadtrat hätte genehmigen lassen müssen.

….Mittwoch 4. März 2026: In der Vollversammlung stellen ÖDP und Linke Dringlichkeitsanträge, damit das Thema auf die Tagesordnung kommt. Eine Stadtratsmehrheit aus SPD, CSU/Freie Wähler sowie FDP/Bayernpartei lehnt das ab. In der Debatte um die Dringlichkeit der Anträge behauptet Reiter zunächst, er sei noch gar kein Mitglied des FC-Bayern-Aufsichtsrats, an einer Sitzung habe er kürzlich nur als „Gast“ teilgenommen. Linken-Fraktionschef Stefan Jagel hält ihm daraufhin einen auf den 23. Februar datierten Auszug aus dem Handelsregister vor, woraufhin Reiter entgegnet, die aktualisierte Liste der Aufsichtsratsmitglieder liege noch gar nicht beim Amtsgericht.

…..Donnerstag 5. März 2026: Die Linke-Fraktion stellt eine Anfrage zu Reiters Vergütung als Verwaltungsbeirat; außerdem will sie wissen, ob der Stadtrat diese Nebentätigkeit genehmigt habe. Am Nachmittag teilt Reiter mit, als Verwaltungsbeirat seit Ende 2021 jährlich 20 000 Euro vom FC Bayern bekommen zu haben. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass wegen der Höhe dieser Einkünfte eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre.

…..Freitag 6. März 2026: Die Regierung von Oberbayern teilt mit, mögliche Dienstverstöße von Reiter zu prüfen. Zudem wird bekannt, dass Reiter erst Anfang Februar Mitarbeitende der Stadtverwaltung auf den „Vollzug der Nebentätigkeitsbestimmungen“ hingewiesen hatte: Jede und jeder solle angeben, wenn „insgesamt mehr als 10 387,40 Euro“ geflossen seien.

….Sonntag 8. März 2026: Dieter Reiter erzielt bei der OB-Wahl mit 35,6 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis eines SPD-Kandidaten seit dem Zweiten Weltkrieg. Er muss am 22. März in die Stichwahl gegen Dominik Krause von den Grünen. Zu seinen Parteifreunden und -freundinnen sagte Reiter zunächst: „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht.“ Später am Abend räumte er ein: „Ich habe so viele Fehler gemacht wie in den zwölf Jahren vorher nicht.“ Er könne da nur sagen: „Sorry, tut mir leid, Entschuldigung.“
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Von Heiner Effern, Sebastian Krass und Joachim Mölter

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