Süddeutsche vom 5. Februar 2026: Vor dem Münchner Hauptbahnhof entsteht ein Interimsgebäude

Das „Bahnhofsgebäude auf Zeit“ soll über Jahre den Betrieb stabil halten, während die umfangreichen Arbeiten am Hauptbahnhof andauern. An der Donnersbergerbrücke kommt eine 178 Meter lange Bohrmaschine zum Einsatz.

….Das Startbild seiner Präsentation zeigt den Münchner Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive. Darauf blickend sagt Kai Kruschinski: „Mir geht das Herz auf, wenn ich dieses Bild sehe.“ Mit diesem Gefühl dürfte der Projektleiter der zweiten Stammstrecke bei der Deutschen Bahn jedoch ziemlich alleine dastehen. Denn für die meisten Münchnerinnen und Münchner ist der Hauptbahnhof seit einigen Jahren eher ein Quell des Ärgers, der Umwege und der Verirrungen.

…Vor allem will die Bahn von März an ein Interimsbahnhofsgebäude an der Bayerstraße errichten, am südlichen Bahnhofsausgang – dort, wo früher die Taxis in einem Rondell warteten. Für 20 Millionen Euro entsteht hier bis Mitte 2027 ein fünfgeschossiges Gebäude, das zentrale Anlaufstellen des Hauptbahnhofs vom Reisezentrum über Schließfächer bis zum Fundbüro beherbergen wird – nicht aber Gastronomie, was viele Reisende angesichts des derzeit kargen Angebots bedauern werden. „Das wird der Dreh- und Angelpunkt des Bahnhofs für die nächsten zehn Jahre“, sagt Kruschinski über den Interimsbau.
Dieses „vollwertige Bahnhofsgebäude auf Zeit“ werde den Betrieb stabil halten, „während wir den neuen Hauptbahnhof und die zweite Stammstrecke weiterbauen“.

…Seit Beginn der Planung hat die zweite Stammstrecke vor allem durch zweierlei für Schlagzeilen gesorgt. Erstens, stetig steigende Kosten. Und zweitens, einen mehrfach nach hinten verschobenen Fertigstellungstermin. Letzteren gibt Kruschinski aktuell mit 2035 an. Und mit Blick auf eine mögliche Olympiabewerbung Münchens versichert der Projektleiter: „Wenn hier 2036 Olympische Spiele stattfinden, dann wird die Stammstrecke fertig sein.“ Schließlich könne die Ausrichtung des sportlichen Großereignisses die Bauarbeiten sogar beschleunigen, glaubt Kruschinski, „weil sich dadurch die Bürokratie vereinfachen würde.“ Der neue Hauptbahnhof indes wird ihm zufolge erst 2038 fertig….
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von Patrik Stäbler

(Foto: DB InfraGO AG)

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