Süddeutsche vom 11. Januar 2026: Wann wird das Uhrmacherhäusl endlich wieder aufgebaut?

Vor mehr als acht Jahren wurde das frühere Handwerkerhaus illegal abgerissen. Der Eigentümer muss es eigentlich im gleichen Erscheinungsbild neu errichten – doch es geschieht nichts. Wie kann das sein?

..Der Wellblechzaun vor dem Tatort ist inzwischen ramponiert, verbogen und löchrig. Mit bunter Farbe steht darauf der Schriftzug: „Häuser enteignen!“ Blickt man durch eine der Zaunlücken, bietet sich ein trostloses Bild: Auf einer überwucherten Brachfläche liegen Müllsäcke, Metallschrott und eine ausrangierte Schubkarre herum – hier in der Oberen Grasstraße 1, wo einst das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl stand, dessen illegaler Abriss im September 2017 in ganz München und darüber hinaus Empörung auslöste.

…Mehr als acht Jahre ist das inzwischen her. Oder in der Zählweise von Angelika Luible: 72 Mahnwachen. Denn so viele Kundgebungen hat das Bündnis „Heimat Giesing“ bislang vor dem Uhrmacherhäusl abgehalten. Damit das Unrecht, das hier geschehen ist, nicht in Vergessenheit gerät, sagt die Sprecherin der Initiative.

..Dabei hat die Stadt den Wiederaufbau des Gebäudes, das Teil der denkmalgeschützten Feldmüllersiedlung ist, bereits 2018 angeordnet. Hiergegen klagte der Eigentümer und bekam zunächst aufgrund eines Formfehlers Recht. Im Berufungsverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof obsiegte dann aber die Stadt, weshalb seit 2021 feststeht: Das frühere Handwerkerhaus muss wieder aufgebaut werden – „in äußerlich kubaturgleicher Form und gleichem Erscheinungsbild“, so das Rathaus. Allein, geschehen ist dies bislang nicht, die Arbeiten haben nicht einmal begonnen – mehr als viereinhalb Jahre nach dem Urteil.

…Angelika Luible nennt das wahlweise „frustrierend“, „beschämend“ oder „ermüdend“. Wobei sie sogleich betont: „Wir werden das nicht vergessen.“ Zwar sei das Uhrmacherhäusl, das nach dem Abriss als Symbol für eine radikale Gentrifizierung galt, inzwischen etwas aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten. „Aber wir werden es immer wieder in den Blick setzen.“ So wolle „Heimat Giesing“ demnächst ein weiteres Mal auf die Stadt zugehen, um neuerliche Gespräche über den Wiederaufbau anzustoßen. Schließlich sind Luible und ihre Mitstreiter überzeugt: „Der Eigentümer spielt nur auf Zeit.“ Eigentümer Andreas S. ließ auch diesmal eine SZ-Anfrage unbeantwortet.
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von Patrik Stäbler

Foto: Uhrmacherhäusl vor illegalem Abriß

Ein Kommentar

  1. Endlich einmal ist ein Exempel statuiert worden, das einen Spekulanten in die Schranken weist. Alleine acht Jahre Baustop ohne Aussicht auf finanziellen Gewinn in absehbarer Zeit – das wird wenigstens in diesem Fall den Verursacher des Abbruches des wenig ansehnlichen, aber denkmalgeschützten Uhrmacherhäusels von ähnlichen Spontan-Aktivitäten abhalten. In der Vergangenheit wurden vergleichbare, illegale Vergehen eher als Kavaliersdelikt bestraft und mit geringen Geldstrafen „geahndet“, die kalkulierbar waren und sozusagen aus der Portokassa bezahlt werden konnten. Ohne eine engagierte Bürgerinitiative stünde an dieser Stelle längst ein profitbringender Neubau. Schade, dass kulturbewusste Bürger nicht öfters so engagiert und über einen so langen Zeitraum aktiv die Interessen des Denkmalschutzes vertreten, Hochachtung auch dem Vertreter des Denkmalamtes, der unbeirrt und mit hohen Arbeitsaufwand seine Pflichten ernst nimmt.

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