Süddeutsche vom 24. Juli 2025: Baurecht für Hochhäuser – Stadt errechnet Wertsteigerung von 400 Millionen Euro

Das Baurecht für die zwei Hochhäuser an der Paketposthalle würde den dortigen Bodenwert nach Berechnungen der Stadt massiv steigern. (Foto: Herzog de Meuron/Vogt Landschaftsarchitekten)

Ein Investor will zwei 155-Meter-Türme an der Paketposthalle bauen. Wenn er das Baurecht dafür bekommt, würde sich laut stadtinternen Berechnungen der Bodenwert fast verdreifachen. Der Investor widerspricht – und verweist darauf, was er der Allgemeinheit zurückgebe.

…Der Wert des zwölf Fußballfelder großen Grundstücks an der zentralen Münchner Bahnachse würde sich demnach fast verdreifachen: von 229,4 Millionen auf 648,1 Millionen Euro. Das haben Berechnungen der Stadtverwaltung zur Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) ergeben. Diese Zahlen gehen aus einer nicht-öffentlichen Antwort auf eine Stadtratsanfrage der oppositionellen Fraktionen ÖDP/München-Liste und Die Linke/Die Partei hervor. Das Dokument, das dem Vernehmen nach an alle Fraktionen im Rathaus verschickt wurde, liegt der SZ vor.

..Allerdings geht aus dem Papier auch hervor, welch großen Anteil dieser Bodenwertsteigerung die Stadt gemäß den Sobon-Vorgaben abschöpfen würde: 181,2 Millionen Euro. Diese Summe ergibt sich vor allem aus dem Wertverlust für die 40 Prozent geförderten und preisgedämpften Wohnraums und aus den Flächenabtretungen für öffentliche Zwecke wie Straßen, Grünflächen und soziale Infrastruktur. Den Netto-Wertzuwachs, der beim Investor verbliebe, beziffert das Planungsreferat auf 237,5 Millionen Euro.

Beim Paketpostareal ist die Stadt auf einen „Netto-Wertzuwachs“ von 57 Prozent gekommen, also erheblich mehr als das Minimum von einem Drittel. Diese 57 Prozent ergeben sich aus 418,7 Millionen Euro Brutto-Wertzuwachs durch das zusätzliche Baurecht minus die 181,2 Millionen Euro an Sobon-Lasten.

..Auf die Frage, ob vor diesem Hintergrund weitere Zugeständnisse der Büschl-Gruppe denkbar sind, etwa was die Menge an gefördertem Wohnraum angeht, geht der Firmensprecher nicht explizit ein. Er schreibt aber: „Wir leisten bei der Entwicklung des Paketpostquartiers für die Stadtgesellschaft einen sehr, sehr hohen Beitrag.“ Als Beispiele nennt er die Sanierung der denkmalgeschützten Paketposthalle und „vor allem den langfristigen, durch uns abgesicherten Betrieb“ der Halle (in der derzeit das Zwischennutzungsprojekt „Pineapple Park“ läuft).
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von Sebastian Krass

Foto: Visualisierung der Sicht vom Schloß Nymphenburg aus auf die geplanten Türme mit 155 Metern Höhe

Ein Kommentar

  1. Andere Hochhäuser, nicht weit von Bahnanlagen – da gibts anderswo Probleme:

    Elbtower in Hamburg verursacht Probleme
    Messdaten, die dem Nachrichtenmagazin vorliegen, sollen zeigen: Der rund 100 Meter hohe Elbtower hat größere Auswirkungen auf Anlagen der Deutschen Bahn als gedacht. Denn: Das Bauwerk senkt sich. Demnach sollen bereits im Frühjahr 2024 Alarmwerte überschritten worden sein – teilweise doppelt so hoch. Im Bericht seien diese Werte auch rot hervorgehoben worden.
    … Eigentlich sollte der Elbtower mit 245 Metern das höchste Gebäude der Hansestadt werden. Die Bauarbeiten stehen aber still.
    (https://www.fr.de/panorama/hamburger-mega-bau-elbtower-senkt-sich-gefaehrlich-ab-alarmwerte-ueberschritten-zr-93861256.html)
    Sowas klingt doch nicht nach Wertsteigerung. Aber letztendlich zahlt bestimmt wieder der Steuerzahler und die Steuerzahlerin.

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