Abendzeitung vom 21. Mai 2025: Mehr als Wolkenkratzer – So modern soll das Paketpostareal in München werden

Über die zwei geplanten 155 Meter hohen Türme an der Paketposthalle wird viel diskutiert. Über das Quartier drumherum ist wenig bekannt. Die AZ kennt die Details zu den Planungen.

..“Über das Quartier drumherum wird fast nie gesprochen. Dabei ist es viel mehr als die Türme“, findet Architekt Robert Hösl vom Büro Herzog & de Meuron, das das neue Viertel plant.

…Wie das Quartier einmal aussehen und welchen Mehrwert es für die Münchner bieten soll, erklärten der Architekt, der Investor, die Stadtbaurätin, Vertreter aus dem Stadtrat von Grünen, CSU und SPD und der ehemalige Wirtschaftsreferent am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung in der alten, denkmalgeschützten Paketposthalle. Sie alle befürworten das Projekt, Gegner saßen nicht auf dem Podium. (Anmerkung: Gegner wurden nicht eingeladen!)

…In dem neuen Viertel sollen fast 3000 Arbeitsplätze entstehen. Der ehemalige Wirtschaftsreferent und CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner rechnet mit Branchen aus IT- und Pharmaindustrie – also gut bezahlten Jobs. (Anmerkung: diesen Arbeitskräften ist es auch egal, ob sie 15, 20 oder gar 40 € pro qm Miete bezahlen)

…..Auch fast 1200 Wohnungen werden gebaut. Etwa die Hälfte davon sollen frei finanzierte sein, die andere Hälfte gefördert oder preisgünstig. So kündigte es der Investor Ralf Büschl an, der das Areal 2018 der Post abkaufte. Für sogenannte systemrelevante Berufe (etwa Pfleger) sind laut ihm Wohnungen vorgesehen (und zwar in den Hochhäusern). Auch ein Demenzwohnheim soll entstehen.

…Sie werde oft gefragt, ob der Anteil an günstigem Wohnraum nicht höher sein müsste, sagte SPD-Chefin Anne Hübner. Und klar sei: Die 600 günstigen Wohnungen auf dem Quartier können keine Lösung für alle 30.000 Münchner sein, die gerade auf eine Sozialwohnung warten. „Aber sie sind ein Beitrag“, meinte Hübner. Aus ihrer Sicht hat die Stadt mit dem Investor das maximal Zumutbare herausgehandelt.

..“Es soll ein Anziehungspunkt für alle Münchner werden“
….Die Hallenfläche sei größer als zwei Fußballfelder. „Es könnte ein großer städtischer überdachter Platz werden.“ Die Halle zu bespielen, sei eine Riesenchance – aber auch eine Herausforderung, so Architekt Hösl von Herzog & de Meuron.

.Für die Gestaltung der Halle im Inneren werde es einen Gestaltungswettbewerb geben, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos). Es besteht die Möglichkeit, das Untergeschoss zu nutzen – etwa für einen Konzertsaal und/oder Konferenzräume. Verpflichtet ist Büschl nicht, das Untergeschoss herzurichten.
….Vor der Halle soll ein Quartierspark entstehen. Insgesamt wird das neue Viertel eher nicht luftig frei, sondern dicht. Mit engen Gassen, in denen keine Autos fahren, die die Grünen-Stadträtin Anna Hanusch an Barcelona denken lassen.
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von Christina Hertel

Auch die Süddeutsche berichtet über die Informationsveranstaltung am Montag 19. Mai 2025

Harmonie unter dem Betongewölbe

Wie wird das geplante Quartier um die Paketposthalle aussehen? Bei einer Informationsveranstaltung schaffen es die acht Teilnehmer eines Podiumsgesprächs konsequent, über den Bürgerentscheid gegen zwei Hochhäuser kein Wort zu verlieren.

…..Die Gäste, die alle so restlos begeistert sind von den geplanten Hochhäusern und dem neuen Quartier an der Paketposthalle, haben direkt an der Aus-Linie Platz genommen. Statt des Podiums wird hier bald ein Basketballkorb stehen, vor der improvisierten Bühne liegt die in knalliges Lila und Pink gefärbte Wurfzone. „We ball together“ steht dort am Boden geschrieben. Damit ist im Prinzip alles gesagt über die Informationsveranstaltung der Büschl Unternehmensgruppe zu ihrem Großprojekt in Neuhausen. Man wirft sich zwei Stunden lang Jubelbeschreibungen wie „legendär“ und „ikonisch“ zu wie ein bestens eingespieltes Team.

….Sogar die etwa 400 Zuschauer wirken als freundlich gesinntes, wohltemperiert applaudierendes Fanpublikum (Anmerkung: der meiste Applaus kam immer aus einer Ecke in der Halle) mit. Auf dem Podium in der Paketposthalle sitzen am Dienstagabend neben der Hauptperson, dem Projektentwickler Ralf Büschl, ein Architekt des verantwortlichen Büros Herzog und de Meuron, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, die Stadträtinnen und Stadträte Anna Hanusch (Grüne), Anne Hübner (SPD) und Manuel Pretzl (CSU), der Kulturveranstalter Michi Kern und der frühere Wirtschaftsreferent und jetzige OB-Kandidat der CSU, Clemens Baumgärtner.

…Fast 50 000 Unterschriften haben die Gegner gesammelt, genügend für einen Bürgerentscheid. Doch den ließ der Stadtrat aus rechtlichen Gründen jüngst nicht zu. Nun klagen die Gegner, und Richter werden über die Zulässigkeit entscheiden.

…..Die acht Teilnehmer des Podiumsgesprächs schaffen es konsequent, über den vom Stadtrat aus rechtlichen Gründen jüngst abgelehnten Bürgerentscheid, das Gerichtsverfahren und die Diskussion in der Stadt kein Wort zu verlieren. Nichts soll stören an diesem Abend auf dem Basketballfeld, einem der Vorboten für die Zwischennutzung der Halle, bis alle Genehmigungen vorliegen.
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von Heiner Effern

Foto: © Robert Hölzl, Blick zur Paketposthalle von der Donnersbergerbrücke aus

Bemerkenswert waren die Aussagen der Podiumsgäste zur Frage von Frau Ammermann (Sie hatte die Veranstaltung moderiert); Wie sie sich das Quartier im Jahr 2032 vorstellen könnten – Frau Merk sagte: „Ich liege in der grünen Wiese vor der Paketposthalle und schaue zu den beiden Türmen hoch“; Frau Hanusch meinte, „Ich sehe Herrn Brannekämper im Seniorenwohnheim“;  Herr Büschl äusserte sich; „Ich bin oben im Hochhausbiergarten und genieße den Ausblick auf die Stadt“; Herr Baumgärtner hoffe, dass es wirklich 2032 fertig ist, dann kann er das Quartier auch noch geniessen.

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