München-Thalkirchen: Münchens legendärer Klettergarten wird dem Kommerz geopfert

Ein „Bergsport- und Naturschutzverband“, der seine Mitglieder „für den Natursport und den Wert des Draußen-Seins“ begeistern möchte, und ein Stadtrat, der den Klimanotstand ausruft, betonieren eine als Außenbereich für Sport ausgewiesene Freifläche mit Münchens 13. Boulderhalle zu – selbstverständlich mit Bienenweide auf dem Dach.

Geopfert wird das felsähnliche Gruber Gebirg‘, das Denkmalpfleger und Reinhold Messner für historisch bedeutend halten. Der Abriss macht eine Gruppe heimatlos, die hier seit 30 Jahren draußen klettern und bouldern.


Die Misere begann im Wahlkampf. Dank einer Petition der Münchner DAV-Sektionen – unterstützt von weniger als 3% der Mitglieder – muss auf uns Draußenfans, den Bezirksausschuss, die Nachbarvereine und die Sendlinger keine Rücksicht mehr genommen werden. Ein beinahe abgelehnter Bauantrag wurde auf Anweisung möglich gemacht. Ein fairer Umgang wird unmöglich.
In der Hochzeit der Freikletterbewegung bildeten Münchner Kletterer 1989 gemeinschaftlich eine detailverliebte felsartige Struktur, um eine wohnortnahe Trainingsmöglichkeit zu haben und um Mitglieder für das Klettern am Felsen und in den Bergen auszubilden. Südöstlich ausgerichtet und durch die Hanglage windgeschützt, ist sie nahezu ganzjährig nutzbar.

Nebenbei schufen sie damit ein Denkmal, das nicht nur seine Erbauer, sondern auch viele Nichtkletterer, die sich mit Denkmalschutz befassen, als unbedingt erhaltenswert einstufen. Das Landesamt für Denkmalpflege war mit dem Verweis auf das zu geringe Alter, das vor Gericht nicht haltbar sei, nicht bereit, es in die Denkmalliste aufzunehmen.

Auch dank dieser Außenanlage ist ein unglaublicher Boom entstanden, nach dem Hallenklettern entsteht ein neuer Trendsport, das Bouldern in Hallen. Dafür schuf der DAV und zahlreiche private Anbieter in München ein riesiges Angebot, allein in den letzten 3 Jahren wurden in München 5 zusätzliche Boulderhallen eröffnet, die 6. entsteht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft in der Zielstattstraße.
Der Abriss der Außenanlage ist eine kommerzielle Entscheidung. Eine Modernisierung der Außenanlage mit attraktiven Bouldern im Freien – als Ausgleich zu den vielen Boulderhallen – übersteigt das Vorstellungsvermögen der Entscheider. Dabei sind wir alle seit Corona dankbar für jeden Außenbereich, in dem wir uns bewegen können.

Reinhold Messner schreibt uns:
… Die Beton-Kletteranlage kenne ich seit ewigen Zeiten. Sie hat nicht nur zur Diskussion künstlicher Kletteranlagen beigetragen, sie ist von historischer Wichtigkeit. Sie zu entsorgen kostet Energie und ist Ressourcenverschwendung. Heute, mit der Problematik von Energieverschwendung sowie Ressourcenverschwendung wäre es besser die Anlage upzucyclen. Also aus der historisch wichtigen Struktur etwas Nachhaltiges zu machen, ohne das Existente zu entsorgen. Hat sich der DAV nicht der Nachhaltigkeit verpflichtet? Es kostet einen Bruchteil einer neuen Struktur, die alte wieder lebendiger zu gestalten.
Ausdauer und Kraft wünschet

Reinhold Messner

Wie kann sich der DAV-Vorstand und die Mehrheit des Stadtrats nur so verhalten? Beide haben
Nachhaltigkeit und Klimaneutralität bis 2030 beschlossen und reden gerne davon, dass das Prinzip
„Vermeiden“ das Gebot der Stunde wäre. In konkreten Fällen wie hier ist dann doch der Gewinn
einer 13. Boulderhalle verlockender, als die eigenen Werte zu leben.

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Ein Kommentar

  1. Leider ist der Alpenverein kein Alpenverein mehr. Es geht kaum noch um Natur und Bergwelt, in der man sich mit einer gewissen Ehrfurcht bewegt, sondern um “fun”, Coolness, Bequemlichkeit und leider auch um Geld und Größe des Verbandes als Erfolgskriterien.
    “Bouldern” und “Mountainbiking” nutzen Klettereinrichtungen und Berge als bloße Sportstätten.
    Als DAV-Mitglied sehe ich das sehr kritisch.

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