München: Bogenhausen – Prinz-Eugen-Park, Bäume gefällt!

Der Grünflächengestaltung im Neubauquartier Prinz-Eugen-Park fallen 80 Bäume und „weiteres Gehölz“ zum Opfer

Die Anwohner-Initiative „Rettung der Altbaumbestände in der Grünen Mitte“ (https://bit.ly/2LgIpFi) hat in den letzten Wochen gemeinsam mit rund 300 Unterstützern für mehr Baumerhalt bei der Landschaftsgestaltung im Prinz-Eugen-Park gekämpft. Stadtbaurätin Frau Prof. Dr. (Uni Florenz) Merk konnte kurz vor Fällbeginn noch einen Ortstermin für die Initiative ermöglichen, um den Spielraum für mehr Baumerhalt mit dem federführenden Baureferat und weiteren Akteuren auszuloten. Aufgrund der fortgeschrittenen Planung standen die Chancen jedoch nicht gut. 48 Stunden nach dem Termin wurden fast alle betroffenen Bäume in der grünen Mitte gefällt, auch die, bei denen die Initiative noch Rettungspotential sah.

Alle Bäume bis auf drei – eine symbolische Geste für die Öffentlichkeit und ein kleiner Erfolg angesichts des langjährigen Planungsprozesses. Das Leitmotiv des „wertvollen Baumbestandes“ und die „Erhaltung der vorhandenen Biotopstrukturen“ (Stadtratsbeschlüsse 2012 und 2019, s.u.) ist dabei teilweise zugunsten anderer Belange und Interessen hintenan gestellt worden: umfangreiches Wegenetz; gestalterische Vorgabe der geraden Wege mit Sichtachsen; mehrere Durchstiche zu angrenzenden Wohngebieten, Straßen und Parks in relativ geringem Abstand zueinander; breite Wegeführung auf allen Wegen, teilweise wegen Barrierefreiheit, aber vor allem für die breiten Pflegefahrzeuge; Anpassung der natürlichen Topographie auf einem größeren Areal zur Tieferlegung eines Kletterspielplatzes und Wegen für Sicht- und Lärmschutz der Anwohner; Aufschütten einer Senke mit Fuchsbau in der Biotopentwicklungsfläche für gerade und ebene Wegeführung.

Nicht nur die Anwohner-Initiative, sondern auch Frau Burkhardt-Keller vom Bund Naturschutz München (Baumschutz) ist der Meinung, „[…] dass der Schutz der Bäume hier nicht oberste Priorität hatte, sondern eine landschaftsplanerische Gestaltung wichtiger war.“

Am zweistündigen Ortstermin (19.01.2021) haben neben der Initiative mehrere Vertreter der Stadt, Herr Hochstätter, Leiter der Hauptabteilung Gartenbau, die beiden Projektleiter*innen, eine Vertreterin des Planungsreferats, zwei Vertreter des Bezirksausschusses Bogenhausen (BA-Vorsitzender Herr Ring und Frau Cockrell vom Unterausschuss Umwelt und Grünplanung), die Quartiersvertretung GeQo sowie Frau Graner von der SZ teilgenommen. Herr Tobias Ruff, Stadtrat (ÖDP),mit forstwirtschaftlichem Hintergrund, hat die Initiative bei dem Termin zusätzlich unterstützt. (Verlauf der Geschehnisse und ausführliches Protokoll des Termins finden sich hier: https://bit.ly/2XDmRWn und https://bit.ly/2YuHB3d)

Kurz vorher gab es eine von der Quartiersvertretung angestoßene 27 h Doodle-Mini-Abfrage zum Thema „Start oder Stopp?? Umsetzung der Gestaltung der Grünflächen“ mit zwei Auswahlmöglichkeiten (Mehrfachklicks möglich): „JA, ich stimme DAFÜR, dass die Umsetzung jetzt startet und Wege und Spielplätze möglichst schnell gebaut werden.“ oder „NEIN, ich bin DAGEGEN, dass die Umsetzung jetzt startet. Der Schutz der Bäume ist mir wichtiger als eine schnelle Fertigstellung.“ (https://bit.ly/2YJCWdT) Der Initiative ging es jedoch nicht um Verschiebung der Arbeiten um ein Jahr oder signifikante Kostensteigerung, sondern vor allem um vertretbare Änderungen in der Ausführungsplanung. Diese Möglichkeit wurde in der Blitz-Umfrage gar nicht zur Wahl gestellt. Frau Graner von der SZ Lokalredaktion, die das Thema im Bezirksausschuss Bogenhausen schon länger begleitet, berichtete über das Ergebnis (462 Klicks für schnelle Umsetzung, 167 Klicks dagegen und für den Schutz der Bäume) vier Tage vor dem entscheidenden Ortstermin, ohne dabei jedoch die Position der Initiative in den Artikel miteinzubeziehen.

Über zehn Jahre hat die Planung seit Erwerb des Kasernenareals durch die Stadt 2005 gedauert.2008 gab es einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb, der 2009 mit der Feststellung des Wettbewerbsergebnisses endete.Der Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2016 (mit nachrichtlichen Wegen) trat 2013 in Kraft. Für die Planung der öffentlichen Grünfläche hat das Baureferat ein zweistufiges Vergabeverfahren (VOF-Verfahren) durchgeführt und die geeignetsten fünf Bewerber mit Planungsskizzen bis Juni 2015 beauftragt. Ein siebenköpfiges Gremium wählte daraus den Siegerentwurf aus. Nach Abschluss des Verfahrens wurde ein erster Vorentwurf 2017 im Bezirksausschuss vorgestellt.

Im Anschluss gab es Workshops zu einzelnen Aspekten der Grünflächengestaltung und mehrere Präsentationsveranstaltungen des Baureferats. Diese bezogen sich jedoch nicht auf die mit der Landschaftsgestaltung verbundenen Fällungen. Den Bewohnern die Fäll- und Ausführungspläne zur Verfügung zu stellen, sei auch gar nicht üblich, da die Pläne nur schwer zu lesen seien. Die Initiative hätte sich an dieser Stelle mehr Vertrauen in die Bürger/innen, Transparenz und den Mut zu einer offenen Diskussion gewünscht.

Die Weichen für die langfristige Planung des Quartiers (und damit auchseines gewachsenen Baumbestandes und seiner Grünflächen) wurden also zu einem Zeitpunkt gestellt, an dem die Beteiligung einer breiteren Öffentlichkeit oder gar der späteren Bewohner noch gar nicht möglich war. Es konnten nachträglich nur noch kleinere Änderungen in die langjährig angelegten und durch Wettbewerbe rechtsverbindlich gemachten Planungen einfließen. Trotzdem gelang es einzelnen Mitgliedern des Bezirksausschusses, der GeQo und des Arbeitskreises Ökologie bei mehreren Ortsbegehungen, die vom Baureferat geplanten Fällungen zu reduzieren.

Gibt es dadurch im neuen Wohnquartier Prinz-Eugen-Park bald „mehr Bäume als noch zum Zeitpunkt des Erwerbs des Kasernenareals im Jahr 2005 durch die Stadt“? (https://bit.ly/36tIAVu) Das ist fraglich, vor allem in Anbetracht der Zahlen in der Sitzungsvorlage zum Stadtratsbeschluss von 2012 und verschiedener Angaben zu den Fällungen der letzten Jahre (ca. 250 Bäume für Gebäude und Wege, jetzt 80 Bäume für Grünflächengestaltung). Laut Begründung zum Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2016 befanden sich im Geltungsbereich des Bebauungsplans „vor der Freimachung des Geländes insgesamt 2.957 Bäume“. Davon wurden insgesamt ca. 1160 Bäume, etwa 40 % des Bestandes für Geländefreimachung und Umsetzung des Bebauungsplans gefällt. Der Verlust an Baumbestand wird nur zu 50 % durch die Festsetzung von Neupflanzungen ausgeglichen zugunsten besonnter Wiesen und Sukzessionsbereiche. (https://bit.ly/2NOb85D S.100, S.113)

In der damaligen Stellungnahme des Bund Naturschutz in Bayern e.V. heißt es „Im stadtgestalterischen und landschaftsplanerischen Wettbewerb hätte die Landeshauptstadt München den Bestandsschutz für alle auf dem ehemaligen Kasernengelände vorhandenen Großbäume und für die vielfältig gemischten Gehölzstrukturen vorsehen können.“ (https://bit.ly/2NOb85D S.35)

Es entstehen auch keine neuen Grünflächen auf dem 30 ha großen Areal der ehemaligen Kaserne. Es sind Flächen, die schon immer vorhanden waren, und die neben der militärischen Nutzung und trotz der Bebauung der letzten Jahre mehr oder weniger natürlich geblieben sind. Das Neue daran ist, dass die 12 ha Grünflächen nun für die Öffentlichkeit „nutzbar“ gemacht werden.

Man kann nur hoffen, dass in den nächsten Jahren Klima- Natur- und Baumschutz zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, mehr Gewicht bei den politischen Akteuren und städtischen Entscheidern erhält und als ausschlaggebender Faktor in die Zielsetzung für Wettbewerbe und Landschaftsplanungen mit einfließt.

Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten und den gewachsenen Altbaumbestand sollte bei der Auswahl der Siegerentwürfe eine zentrale Rolle spielen. Wenn noch zusätzlich eine verpflichtende Angabe zur Anzahl der Fällungen, die mit der Umsetzung einhergehen, in die Ausschreibungen / Wettbewerbskriterien mit aufgenommen wird, könnte die Jury in ihren Entscheidungen auch die Konsequenzen für den Baumbestand berücksichtigen. Zudem sollte das Baureferat die Fäll- und Ausführungspläne rechtzeitig einem größeren Kreis an Bewohnern offenlegen, damit die Diskussion über vermeidbare Fällungen zu einem Zeitpunkt geführt werden kann, an dem Änderungen noch möglich sind.

Da die Ausführungsplanung im PEP schon weit fortgeschritten war, kam die Initiative „Rettung der Altbaumbestände in der Grünen Mitte“ (https://bit.ly/2LgIpFi) hier leider zu spät.

Die Initiative bedankt sich bei Stadtbaurätin Frau Prof. Dr. (Uni Florenz) Merk, Herrn Mager (Lokalbaukommission) und Herrn Hochstätter (Baureferat, Gartenbau), dass doch noch ein Ortstermin zustande kommen konnte, um den Spielraum für weiteren Baumerhalt im Prinz-Eugen-Park auszuloten. Auch der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper für den Stimmkreis Bogenhausen (CSU) hatte sich im Vorfeld für einen neuerlichen Ortstermin eingesetzt und sich das Gelände nochmal in einem eigenen Termin mit anderen Stadträten und Herrn Hochstätter angeschaut. Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP) hat die Ziele der Initiative, den Schutz des Altbaumbestandes und der Biotopentwicklungsfläche im PEP bis zum Schluss unterstützt. Danke!

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