Definition Öffentliches Interesse – oder Baurecht vor Baumrecht?

Ich nehme an, ich bin nicht der/die einzige Bürger/in,

dessen/deren Antrag gegen Baumfällungen wegen Wohnungsbau, Tiefgaragen oder Kita seitens der Stadt bzw. des Planungsreferats abgelehnt wird, mit der Begründung, es ginge hier um öffentliches Interesse.


Ich bin der Meinung, man sollte erst einmal die Öffentlichkeitfragen, was ihr Interesse ist und welches Interesse im Zweifelsfallgrößer ist: Baumschutz, Klimaschutz, Artenschutz oder Bauen, Bauen, Bauen?
Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ war ein historischer Erfolg. 1,8 Millionen Bürger haben es unterschrieben.

Im August 2019 wurde im bayerischen Landtag ein umfassendes Naturschutzgesetz verabschiedet mit vollmundigen Versprechen. Auch Klimaschutz wird – zumindest verbal – mittlerweile ernst genommen. München hat den Klimanotstand ausgerufen. Im Koalitionsvertrag der Stadtregierung wird Baumschutz hochgehalten – verbal jedenfalls. In allen Stadtteilen gibt es erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Bürgern, die sich für den Erhalt der Bäume in ihrem Viertel einsetzen und den Politikern und Investoren, denen diese Bäume im Weg stehen. 


Zwei Bürgerbegehren wurden auf den Weg gebracht:
„Grünflächen erhalten“ und „gegen maßlose Nachverdichtung“.

Beide wollen verhindern, dass zugunsten massiver Bautätigkeit, immer mehr Grünflächen und Bäume verschwinden. Wegen Corona sind die Unterschriftslisten zur Zeit leider auf Eis gelegt. München ist die am dichtesten besiedelte Großstadt in Deutschland, die Stadt mit der größten Flächenversiegelung.
Jährlich werden über 2000 Bäume wegen Baumaßnahmen gefällt. Der Landesbund für Vogelschutz beklagt ein ernsthaftes Vogelsterben. Die Luftqualität in München nimmt ständig ab, die zunehmende Hitze in den Sommernächten wird vielen Menschen das Leben kosten. Man weiß um die Bedeutung der Bäume zur Luftreinhaltung, Sauerstoffprokuktion, CO²-Speicherung und Arterhaltung, man erkennt die Notwendigkeit der Kühlwirkung großer Bäume und entscheidet sich dann doch in fast allen Fällen, gegen ihre Erhaltung, wenn es um das Bauen geht.


Ich bin überzeugt, das öffentliche Interesse ist ein anderes.


Ich beantrage, die Stadt soll eruieren, was das öffentliches Interesse seiner BewohnerInnen ist. Auf jeden Fall sollen erst einmal die Ergebnisse der beiden genannten Bürgerbegehren abgewartet werden, eheman fortfährt, in München Bäume zugunsten von Bauen zu fällen. 
Zu hinterfragen ist, ob der Grundsatz „Baurecht vor Baumrecht“ in Anbetracht von Klimawandel, Artensterben und der zunehemenden Flächenversiegelung in München noch angebracht ist.
Sonja Sachsinger

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2 Kommentare

  1. Ja und es ist auch das Baureferat selbst, das jede Menge Bäume fällt.
    Erst wird in einem Neubauviertel der “schöne alte Baumbestand” gelobt.
    Dann, wenn die Wohnungen meistbietend verkauft wurden, wird gnadenlos ausgelichtet.
    Siehe Domagkpark – https://www.mehr-gruen.org/

  2. Gefällt werden in München jährlich mehr als das doppelte, der genannten Zahl, und zwar Bäume mit Stammumfang von mindestens 80cm. Es werden aber weniger Bäume nachgepflanzt.
    Das heißt: München verliert (!!!) mindestens 2500 Bäume im Jahr (ich persönlich glaube, es sind tatsächlich 3-4000).
    Die Zahlen gehen auf eine Erhebung des Bund Naturschutz, Kreisgruppe München, zurück: Die Fällungen lagen in den Jahren 2010-2018 bei grob durchschnittlich 5000 Bäumen im Jahr und etwa die Hälfte davon wurden nachgepflanzt. Wohlgemerkt: Nachpflanzungen sind immer sehr viel jüngere, kleinere Bäume, also viel weniger Biomasse!
    Wir verlieren also in München nicht nur zahlenmäßig ca. 2500 Bäume p.a., sondern eine viel größere Menge an “Holz-und Blätter-Volumen”.
    Die Tabelle mit den Daten liegen mir vor und der BN gibt da sicher auch bei Nachfrage genauere Infos.

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