Bedeutung von Grün in Städten – Bauen am Stadtrand

Ein Leserbrief zum Artikel in der aktuellen Ausgabe der Eigenheimer-Zeitung (Juni 2020) von Sonja Sachsinger (BI Rettet den Münchner Norden e.V.)

In der Juni Ausgabe der “Eigenheimer aktuell” findet sich ein sehr guter Artikel zur Bedeutung von Grünflächen:
“Alles im grünen Bereich” von Sören Keller: https://www.eigenheimerverband.de/blog/alles-im-gruenen-bereich/

Der Schluss (“so wie die Anziehungskräfte dieser Zentren aussehen, wird man …neue Flächen ausweisen müssen”) hat mich zu folgender Stellungnahme veranlasst:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrter Herr Sören Keller,

„Alles im grünen Bereich“ – ein guter Artikel, für den ich mich herzlich bedanken möchte. Nur – irritierend der Satz in der Einleitung: „… in Zeiten, in denen … immer mehr Menschen bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsräumen suchen…“. Und das Resümee zum Schluss: „So wie die Anziehungskräfte dieser Zentren aussehen, wird man dort (am Stadtrand) auch…neue Flächen ausweisen müssen“.
Gerade die Grüngürtel um die Großstädte herum spielen für die Naherholung so großer Menschenmassen eine immens wichtige Rolle, ebenso für die Frisch- und Kaltluftversorgung der gesamten Stadt und, wie das zum Beispiel in München-Feldmoching der Fall ist, auch für die Nahversorgung der Stadtbewohner mit Gemüse, und landwirtschaftlichen Produkten.
Vor allem aber ist es an der Zeit, einmal generell zu hinterfragen, wie das Problem der Überbevölkerung in den Städten mit all seinen unangenehmen Nebenwirkungen wie explodierende Immobilienpreise, zunehmende Flächenversiegelung, Verlust von Grün, usw. sowie das Problem der Abwanderung im ländlichen Raum, mit den bekannten Begleiterscheinungen wie überalterte Bevölkerung, verlassene und verfallende Häuser, leerstehende Wohnungen, Perspektivlosigkeit bei der Jugend usw., in den Griff zu bekommen ist.

Die Menschen zieht es in die Ballungsräume, weil es dort Arbeitsplätze gibt und ständig neue geschaffen werden. Das macht im Wesentlichen ihre Anziehungskraft aus. Selbstverständlich auch das bessere kulturelle Angebot, die zahlreichen Ausbildungsplätze und das große Angebot an Universitäten…. Es ist an der Zeit umzusteuern:

Jahrzehntelang wurde der ländliche Raum vernachlässigt, viele Fehler wurden bei der Transformation in Ostdeutschland gemacht, die Privatisierung der Bahn hat zu Streckenstilllegungen an den Außenästen geführt, während lukrative Strecken, wie z.B. Berlin-München, mit viel Geld ausgebaut wurden.
Wir brauchen in Deutschland eine Raumordung (1) mit einer ausgewogenen Siedlungs- und Freiraumstruktur sowie einer effektiven Infrastruktur – auch beim Breitbandausbau. Wir brauchen eine verantwortungsvolle Strukturpolitik im Sinne des Art 72 GG (Gleichwertige Lebensverhältnisse für alle), das, was jeder Schüler im Geographieunterricht lernt. (2) (3) Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: Ursachenbekämpfung (Raumordnung) statt Herum-Operieren an Symptomen mit den bekannten Teufelsspiralen (Je mehr Arbeitsplätze in den Städten generiert werden, je mehr Wohnraum geschaffen wird, um so mehr Menschen zieht es dorthin. Diese Spirale hat kein Ende – der Platz in den Städten allerdings ist begrenzt).
Den gesamten ländlichen Raum mit seinen Kleinstädten aufwerten, statt ihn als „Wolfsentwicklungsland“ (Rainer Klingholz) der Natur zu übergeben – auch um die Metropolen zu entlasten. (4) Sowohl in Städten als auch in kleineren Ortschaften: Innenentwicklung vor Außenentwicklung Generell: Renovierung vor Abriss und Neubau. Wir müssen den Klimawandel mit all seinen Folgen (viele Hitzetote in den Städten) ernster nehmen, die Biodiversität sowohl am Land als auch in den Städten fördern und wir dürfen die Bedürfnisse der Kinder, der Jugendlichen sowie der älteren und schwachen Menschen nicht vergessen:
Wir brauchen große, abenteuerliche Spielflächen mit Kletterbäumen und Verstecken für die Kleinen genau so wie Ruhezonen mit viel Frischluft für die Alten in den Städten genau so wie Diskotheken, Theater und sonstige kulturelle Angebote für die Jugend in den Dörfern. Vor allem aber: Arbeitsplätze, auch auf dem Land!

Corona hat gezeigt: auch aus einem kleinen Dorf in der Oberpfalz lässt es sich gut im home-office arbeiten – sofern Breitbandanschluss vorhanden ist. Vielleicht ist dies eine Chance, neu zu denken, den ländlichen Raum aufzuwerten und die überstrapazierten Metropolen zu entlasten.
Vielleicht haben Sie ja mal Lust und Interesse, über diese Zusammenhänge im „Eigenheimer aktuell“ zu schreiben? Das würde mich freuen!

Mit freundlichen Grüßen
Sonja Sachsinger, Geographin

Foto: Screenshot von Eigenheimer Aktuell

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